Geschichte der Frühen Neuzeit
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Bellarmino, Roberto

(1542-1621)

Roberto Bellarmino (* 4. Oktober 1542 in Monte Pulciano im Florentinischen, † 17. September 1621 Rom) wurde 1560 in die Gesellschaft der Jesuiten aufgenommen und lehrte dann in Florenz und Mondovi die Humaniora. Er predigte in Florenz, Padua und Venedig, was ihm besonderen Beifall einbrachte. Durch eine Disputation zu den Schriften Aristoteles’ und Thomas von Aquins wurden seine Oberen auf ihn aufmerksam, so dass er schließlich nach Flandern geschickt wurde und dort 1570 zum Priester geweiht wurde. 1577 kehrte er nach Italien zurück, wo er der erste seines Ordens war, der die Kontroversen zu Rom lehrte. 1590 wurde er von Sixtus V. als Theologe in den Dienst des päpstlichen Legaten gestellt und nach Frankreich geschickt. Nach nur 10 Monaten kehrte er nach Rom zurück, wo er zunächst verschiedene Aufgaben in seiner Sozietät erfüllte, bis er schließlich 1599 zum Kardinal ernannt wurde. 1602 erhielt er das Erz-Bistum von Capua, das er 1605 wieder abgab, da Paulus V. ihn in seiner Nähe haben wollte. Er wurde im Vatikan mit allerlei wichtigen Geschäften betraut. 1621 zog er sich in ein neues Haus der Jesuiten zurück, wo er noch im selben Jahr starb.

Zum Werk

Die "Chronologia brevis" des berühmten Kirchenvaters erschien in mehreren Auflagen (Köln: Gualtherus 1631, Köln: Kalkovius 1654, Paris: Cramosiana 1658, Lyon: Boissat und Remeus 1662, Köln: Wohlfartius 1684 etc.) und war eine der erfogreichsten katholischen Tabellengeschichten des 17. Jahrhunderts. Meistens war sie der Kirchengeschichte "De scriptoribus ecclesiasticis" beigebunden, erschien jedoch auch mehrmals als eigenständiges Büchlein. Wir finden sie u.a. auch einmal dem Werk zur Päpstin Johanna von Samuel Demarets ("Joanna papissa". Groningen: Cöllen 1664) beigebunden. Die "Chronologia" ähnelt der Form nach Nicoloas Sanders "De monarchiae visibili" von 1592, ein zweispaltiges Tabellenwerk augustinisch-dualistischer Manier, das den guten Staat (civitas dei, seu continuata ecclesiae succeßio) neben einen bösen Staat (civitas diaboli, seu schismatici & apostatae, qui succeßionem continuatam non abent) der Schismatiker stellt.

Interessant ist die Notation der Jahreszählung: Es stehen Jahre nur an jenen Stellen, wo etwas passiert oder einzutragen ist, z.B. S. 10: "2850 | 2858 | 2878 | 2888 | [Spaltenumbennung: statt Iudices Hebraeorum: Reges Hebraeorum] 2898 | 2919 [David] | 2933 | 2959 | 2963 | 2983 | [ wieder Spaltenumbenennung bzw. -aufteilung: Reges Iuda | Reges Israel.] 2999 [Roboam 17. | Hieroboam 22.] | 3016 | 3021 | 3023".

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Chronologia || Brevis, || Ab Orbe condito vsque ad an- || num Domini M.DC.XIII. || Roberto Card. || Bellarmino, || e Societ. Iesv Avtore., Köln: Bernardus Gualtherus, 1613. > zur digitalisierten Volledition

Weiterführende Literatur:

  • Broderick, James: Robert Bellarmin. L’humaniste et le saint. Paris 1963.
  • Dietrich, Thomas: Die Theologie der Kirche bei Robert Bellarmin. (1542—1621) systematische Voraussetzunen des Kontroverstheologe., Paderborn 1999.
  • Dietrich, Thomas: Roberto Bellarmino. Zwischen Tradition und Neuanfang, in: Jung, Martin & Walter, Peter (Hgs.): Theologen des 17. und 18. Jahrhunderts. Konfessionelles Zeitalter, Pietismus, Aufklärung. Darmstadt 2003. S. 35—53.
  • Jöcher, Gottfried/ Adelung: Ergänzungen zu Christian Gottlieb Jöchers allgemeinem Gelehrten-Lexico, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden / von Johann Christoph Adelung. [Bd. 3—6] von Heinrich Wilhelm Rotermund. [Bd. 7] von Otto Günther. — Leipzig [et al.]: Gleditsch [et al.], 1784—1897.
  • Motta, Franco: Bellarmino. Una Teologia Politica della Controriforma. Brescia 2005.
  • Osculati, Roberto: der Kurienkardinal Roberto Bellarmino (1542—1621) und das Elend der Katholischen Kirche, in: Sträter, Udo (Hg.): Interdisziplinäre Pietismusforschungen. Bd. 1. Tübingen 2005. S. 127—134.
  • Raitz von Frentz, Emmerich: Der heilige Kardinal Robert Bellarmin S.J. Ein Vorkämpfer der Kirche und Papsttum 1542—1621. Freiburg im Breisgau, 1930.
  • Zen, Stefano: Roberto Bellarmino e l'arte di ben morire. "qui cupit bene more, bene vivat", in: Chronica Mundi (2011) 1:1. S. 79-98.


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