Geschichte der Frühen Neuzeit
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Bibliander, Theodor

(1504-1564)

Theodor Bibliander [gräzisiert aus Buchmann] (* 1504 oder 1509 in Bischofszell im Kanton Thurgau, † 26. September 1564 Zürich) erhielt seine Ausbildung in der Schule von Oswald Myconius, dessen Gehilfe er 1525 wurde. Ab 1526 lernte er bei Konrad Pellikan Hebräisch. Auf Empfehlung Ulrich Zwinglis wurde er 1527 bis 1529 Lehrer für Rhetorik an der Hochschule im schlesischen Liegnitz. In der Schweiz wirkte er als Lateinschulmeister in Brugg und als Vikar in Weiach bei Kaiserstuhl. Als Nachfolger Ulrich Zwinglis übernahm er nach dessen Tod am 24. März 1532 die Professur für die Auslegung der Septuaginta in Zürich. Zürich verlieh ihm 1546 das Bürgerrecht. Er beteiligte sich rege an theologischen und kirchlichen Verhandlungen und wahrte entschieden das Erbe Zwinglis. Theologisch stand er im Konflikt mit den Ansichten Johannes Calvins. Insbesondere widersprach Peter Martyr Vermigli, der seit Juli 1556 in Zürich als Professor für Theologie und Philosophie das Prädestinationsdogma in der streng calvinistischen Fassung vertrat. Bibliander vertrat dagegen die Ansichten des Erasmus von Rotterdam, nicht die der römisch-katholischen Kirche. Infolge einer scharfen Polemik mit Vermigli wurde Bibliander schließlich am 8. Februar 1560 emeritiert. Durch seine hervorragenden Sprachkenntnisse, vor allem der semitischen Dialekte, konnte er zusammen mit Pellikan die von Leo Jud begonnene Bibelübersetzung fortsetzen. Insbesondere wurde Bibliander durch seine wissenschaftliche Edition des Korans und eine herbäische Grammatik bekannt.

Zum Werk

In Biblianders Tabellengeschichte liegt das Hauptinteresse bei der Chronologie. Er stellt mehrere Zeitrechnungen im Synchronismus zueinander auf und lässt in einem breiten "spatium historicum" Raum für die Ereigniseinträge. Bibliander beruft sich auf das Vorbild des Eusebius von Caesarea. Tabellen seien, so Bibliander, wie die Landkarten der Geschichte. Die hier präsentierte Ausgabe ist die dritte Auflage nach 1552 und 1555. Sie ist auf der Titelseite, wie viele Werke der Staatsbibliothek München als Nachfolgerin der Bibliothek des katholischen Ingolstadt, durch einen Vermerk markiert, dass es sich um ein calvinistisch-zwinglianisches Werk handle und daher verboten sei.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Temporum a || condito mundo usque ad ulti || mam ipsius ætatem supputatio, || partitioque exactior. || Vniversæ quidem historiæ diuinae, ecclesiasticæ || & extere Latinorum, Grecorum, Aegyptiorum, || Chaldæorum, Germanorum & aliarum gentium || accommodata, præcipue tamen diuinis libris pro || phetarum & apostolorum Do- || mini Iesu Christi. || Qua. scribebat Theodorus Bibliander, ecclesie Tigurine minister: ut res insigniores Domini nostri Iesu Christi, & eius ecclesiae, nec non hostium, in XV Tabulis proposite rectius estimari queant, & ad usum uitae acommodari. || Accessit locuples rerum & uerborum memorabilium Index, Basel: Ioannes Oporinus, 1558. > zur digitalisierten Teiledition

Weiterführende Literatur:

  • Amirav, Hagit & Kirn, Hans-Martin: Notes on Reformation, Humanism, and the Study of Hebrew in the Sixteenth Century. The Case of Theodore Bibliander (1505—64), in: Church History & Religious Culture (2007) 87:2. S. 161—171.
  • Egli, Emil: Bibilianders Leben und Schriften, in: Analecta Reformatoria, Bd. 2. Zürich 1901.
  • Gaß, Wilhelm: Art. Bibliander, Theodor. In: ADB Bd. 2. S. 612.
  • Göing, Anja-Silvia: "Vernünftig Unterrichten". Bibliander als Lehrer. In: Christine Christ-von Wedel (Hg.): Theodor Bibliander (1505—1564). Ein Thurgauer im gelehrten Zürich der Reformationszeit, Zürich 2005. S. 61—82.
  • Guggisberg, Kurt: Art. Bibliander, Theodor. In: NDB Bd. 2. S. 215.
  • Loop, Jan & Hottinger, Johann Heinrich: Arabic and Islamic studies in the seventeenth century. Oxford 2013. S. 26—31.
  • Schweizer, Alexander: Die protestantischen Centraldogmen in ihrer Entwicklung innerhalb der reformierten Kirche, Bd. 1. Zürich 1854.


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