Geschichte der Frühen Neuzeit
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Kayser

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Kayser, über den so gut wie nichts bekannt ist, lebte im 19. Jahrhundert und war Professor der Ober- und Mittelklasse des Gymnasiums in Augsburg.

Zum Werk

Die Tabellen Kaysers ähneln in ihrer Ausarbeitung denen Johann Egenolfs, wobei die einzelnen Tafeln jeweils große Zeiträume abdecken. Einzuordnen ist Kaysers Werk in den diskursiven Kontext des frühen 19. Jahrhunderts, in dem sich der Autor explizit und in einer hochinteressanten Ausführung gegen die Geschichtsauffassung des deutschen Idealismus, in personam Friedrich Wilhelm Schellings, wendet: "Es hat sich schon vor geraumer Zeit, und besonders seit Schelling mit Geist über die Geschichte gesprochen, eine Ansicht erhoben, welche das wahre Wesen der Historie vernichtet. Menschen, die wie Alkibiades im politischen, so im literarischen Gebiethe, nur dazu vorhanden sind, sich umzutreiben, haben erbauliche Versuche geliefert, die Geschichte a priori zu konstituieren. Während sie diese dadurch frey zu machen versucht haben, sind sie aber zu Lügnern geworden und haben uns an die Stelle historischer Werke im richtigen Styl nichts als ihre uninteressante Subjektivität zur Schau gestellt. Allerdings muß man, um über die Geschichte aus dem höchsten Standpunkt der Wissenschaft zu sprechen, über ihren Stoff erhaben seyn, aber um sie selbst zu machen, muß man seine Freyheit des Geistes dadurch beurkunden, daß man die Gebundenheit durch ihren Stoff durchaus anerkennt. Thukydides ist nur dadurch groß, daß er die Dinge darstellt, wie sie sind, die Ideen aber, die ihrer Betrachtung untergelegt werden können, bey Jedem voraussetzt."

Diese hier formulierte Kritik am idealistischen Subjektivismus, der die Objektivität der faktischen Geschehnisse in der Geschichte nach Kayser negiert, hat als Konsequenz, die Notwendigkeit der Tatsachenkenntnis besonders zu fördern: "Alles Studium, welches daher zu einer gründlichen Erkenntniß der Geschichte führen soll, muß beginnen von ruhiger klarer Auffassung der Thatsachen. Dies aber in jungen Leuten zu erreichen, kann keinem Lehrer gelingen, ausser durch unmittelbare Angehung der historischen Quellen. Wer die Geschichte nicht unmittelbar aus diesen schöpft, sondern wie dieses leider ! gewöhnlich der Fall ist, aus der zweyten Hand borgt, dessen Ansicht wird nothwendig mehr oder weniger verworrden. Wer aber statt der Thatsachen Ideen entwickelt, der tritt aus ihrem Kreise ganz heraus und greift in fremdes Gebieth, in das der Spekulation ein." Neben dieser didaktischen Maßnahme empfiehlt er ebenso die Treue den Quellen gegenüber sowie auch den freien Vortrag der Geschichte durch den Lehrer gegenüber der Klasse. Die Regeln, denen sich der Geschichtsstudierende anzupassen hat, folgen Jahreszahlen, Namen von Personen und Orten", die das "Gerüste" der Geschichte bilden. Gerade dieses Gerüst vermag aber die Tabelle am besten zu vermitteln, deren Hauptzweck s.E. "hauptsächlich mnemonisch" ist. "Die Tabellen geben im Ganzen den Vortheil:

  1. Sie bezeichnen, was Jeder nothewendig auswendig lernen muß.
  2. Sie dienen in so weit zur Vorbereitung, als sie auf Zahlen, Namen und Orte aufmerksam machen, so daß diese während des Vortrags als schon bekannt erscheinen.
  3. Sie verschaffen für die Wiederholung die synchronistisch-ethnographische Uebersicht der Begebenheiten, welche für das Studium in diesen Jahren die vortheilhafteste ist.

"Ihr wesentlichster Nutzen scheint mir aber darin zu bestehen. Das zusammenhängende Lehrbuch macht sicher, die Tabelle, bloßer roher Stoff, zwingt zu eigener Thätigkeit und zur Aufmerksamkeit. In diesen Stoff kommt erst durch den Lehrer organisches Leben, Seele. Der Zuhörer kann daher seine Tabelle erst ganz verstehen und gebrauchen, wenn er dem Vortrage völlig hingegeben ist. So wie dieser aufgefaßt ist, tritt dann, um den Einfluß des letztern vollends zu sichern, eine neue Wechselwirkung zwischen Lehrer und Schüler ein.
Die Geschichte muß als ein continuirliches Ganzes gefaßt werden. Ob sie so gefaßt sey? kann der Lehrer von Zeit zu Zeit durch mündliche Prüfungen abfragen. Aber diese sind bey der Historie nicht Hauptsache in der Methodik des Unterrichtes. Die letztere muß vorzüglich darauf ausgehen, das Vermögen einer zusammenhangenden Darstellung auszubilden. Dieses geschieht am Besten also:

"Der Lehrer verstatte das Nachschreiben in der Schule nicht, aber er fordre das freye Reproduciren des von ihm Vorgetragenen zu Hause. Hier dient nur die Tabelle dem Zuhörer wieder als das schätzbarste Hülfsmittel. Sie führt ihn erinnernd an die Thatsachen zurück, aber die Nachbildung ihres inneren Zusammenhanges, die Caussalität der Begebenheiten, überläßt sie dem Schüler, der auf diese Weise gegen alle Passivität im Lernen gerettet ist und hier die trefflichst Veranlassung hat, seinen schriftlichen Styl zu vollenden. Nirgends kommt dieser so in Betracht, als bey geschichtlicher Darstellung. Deßhalb sollte auch der Lehrstuhl des Styls und der Geschichte an höheren Lehranstalten billig miteinander verbunden seyn."

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Geschichts-Tafeln || zum || Gebrauche der Gymnasial-Anstalten. München und Burghausen: Ernst August Fleischmann, 1812.
  • Geschichts-Tafeln || zum || Gebrauche der Gymnasial-Anstalten. München: Ernst August Fleischmann, 1814

Weiterführende Literatur:

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