Geschichte der Frühen Neuzeit
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Kruse, Christian

(1754-1827)

Christian [auch Karsten] Kruse (* 9. August 1754 in Hiddingwarden im Oldenburgischen, † 7. Januar 1827 in Leipzig) besuchte auf Anraten eines Pastors die Waisenhauspensionsanstalt in Halle, wo er außer in mechanischen Fertigkeiten, auch in Mathematik, historischen Hilfswissenschaften und in alten Sprachen unterrichtet wurde. In den Jahren 1772—1775 studierte er ebenfalls in Halle Theologie. Sein Studium finanzierte er sich durch Unterrichtsstunden an einer Mädchenschule, durch Privatunterricht und durch ein Stipendium, welches er dem Grafen Stolberg-Wernigerode verdankte. Nach Oldenburg zurückgekehrt, erhielt er die Stelle des Subcantors der Nicolaikrische, dann die eines Subrektors des dortigen Gymnasiums. Da sein Gehalt sehr gering war, gründete er eine Abendschule für Mädchen. 1781 ermöglichte ihm eine vorteilhafte Hochzeit die Arbeit an seinen Werken. 1788 wurde er auf Geheiß des Herzogs Friedrich Ludwig von Oldenburg, der Instruktor der beiden herzögl. Oldenburgerischen Prinzen. Jedes halbe Jahr begleitete er die Familie des Herzogs auf dessen Landsitz in Eutin, wo er die Bekanntschaft bedeutender Männer machte, wie z.B. Johann Heinrich Voß, Graf Friedrich Stolberg und des Hofmalers Tischbein. In den Jahren 1803—1805 begleitete er seine beiden Schüler nach Leipzig, wo er selbst 1805 seinen Magister in Philosophie erlangte. Im Jahr 1805 kehrte er nach Oldenburg zurück, wo er die vom Herzog vermittelte Stelle des Konsistorialrats einnahm. Er leitete als Scholarch die Schulangelegenheiten des Herzogtums. Als 1811 seine Gönner durch die französische Besetzung gezwungen waren, das Land zu verlassen, entschied sich auch Kruse für eine Auswanderung. Eine Einladung des jüngeren Prinzen von Oldenburg, musste er aus gesundheitlichen Gründen ablehnen, so dass er schließlich eine Professur der historischen Hilfswissenschaften in Leipzig übernahm. 1812 wurde er durch seine Dissertation Mitglied der dortigen Universität. 1813 übernahm er das Mitdirektorium der Herzögl. Holstein-Oldenburgerischer Wendlerschen Freischule in Leipzig. Im Jahr 1818 beendete er seinen großen Atlas, den er 40 Jahre zuvor begonnen hatte. Der Atlas erschien bereits 1822 in einer zweiten Auflage.

Zum Werk

Diese Tabellengeschichte ist vollends durch einen säkularen Charakter geprägt. Es gibt keine biblische Geschichte mehr und heilsgeschichtliche Ereignisse, ja selbst die Geburt Christi, tauchen nicht mehr auf. In gewisser Weise kann man bei Kruses "Tabellen" von einer Perfektionierung des Genres sprechen. Sein Ziel, eine "kurze aber dennoch gewissermassen vollständige und deutliche Darstellung" der Geschichte der Europäischen Staaten zu geben, ist hier eindrucksvoll gelungen, da er die Tabellen sinnvoll mit geographischen und genealogischen Karten ergänzt hatte.

Das Werk erschien bis 1850 in sieben Auflagen.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Tabellen || zur Übersicht || der Geschichte || aller || Europäischen Länder || und || Staaten || von ihrer ersten Bevölkerung an bis zum Jahre 1800 nach Christi Geburt. || Zum Gebrauch || beym Unterrichte der studierenden Jugend || und || zur Erleichterung || der || Verständlichkeit aller ältern und neuern Schriften, || welche die Geschichte unserers Welttheils betreffen, || nach den besten Quellen ausgearbeitet. Oldenburg, Halle: Rengersche Buchhandlung, 1802.

Weiterführende Literatur:

  • Hamberger/Meusel: Das gelehrte Teutschland, Bd. 18. 1821.
  • Mutzenbecher: in: ADB Bd. 17. S. 262.
  • Neuer Nekrolog der Deutschen, Jg. 5. 1827 (1829).


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