Geschichte der Frühen Neuzeit
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Lambeck, Peter

(1628-1680)

Peter Lambeck (* 13. April 1628 in Hamburg, † 4. April 1680 in Wien) wurde 1644 in das Johanneum seiner Vaterstadt aufgenommen. Er stand hauptsächlich unter dem Einfluss Friedrich Lindenborgs und seines berühmten Onkels Lucas Holste (Holstenius), der ihm riet seine Studien durch Auslandsaufenthalte zu erweitern. Er besuchte die Universität in Amsterdam, wo er Caspar Barlaeus und Gerhard Johann Voss hörte. Auf den Rat seines Onkels hin, kam er nach Paris, wo er von Kardinal Barberini freundlich aufgenommen wurde. Er stand in besten Kontakt mit der gelehrten Welt Frankreichs und gab schon im Alter von 19 Jahren sein erstes Werk "Prodromus lucubrationum criticarum in A. Gellii Noctes Atticas" heraus. 1647 verweilte er zwei Jahre bei seinem Onkel in Rom. 1649 erwarb er in Toulouse das Licentiat der Rechte. Über Umwege kehrte er endlich in seine Vaterstadt zurück, wo ihm 1651 an seiner alten Schule eine Professur der Geschichte angeboten wurde. 1659 trat er die Nachfolge des berühmten Joachim Jungius an, und wurde zum Rector perpetuus gymnasii ernannt. Auf einer erneuten Reise erwarb er in Bourges 1660 den Doktorgrad der Rechte. Da er sich in der Zwischenzeit stark verschuldet hatte, schloss er eine Ehe mit einer viel älteren Frau. Die Enttäuschung über diese Heirat und seine Stelle als Rektor, ließen ihn dem Rat der Königin Christina von Schweden folgen. Er verließ seine Heimatstadt über Nacht, und ging in den Süden, nach Wien. Er erhielt über den Jesuiten Philip Miller Audienz bei Kaiser Leopold. Dieser sicherte ihm kaiserlichen Schutz zu. Nach einem kurzen Aufenthalt in Italien, wo er öffentlich zur katholischen Religion wechselte, wurde er 1663 von Kaiser Leopold zum kaiserlichen Histiographen und Vizebibliothekar ernannt. Er wurde zum engsten Vertrauten des Kaisers. Die Hofbibliothek zu Wien erhielt durch seine Hand neue Schätze und ein bis heute wichtiges Gesamtverzeichnis. Außerdem unternahm er als erster in seinem Werk "Historia literaria" den Versuch einer allgemeinen Literaturgeschichte, das eine Geschichte und Bibliografie aller Wissenschaften und ihrer Vertreter aller Nationen enthalten soll. Allerdings erschien nur der erste Teil des geplanten Werkes, der Prodromus (1659).

Zum Werk

Dieses Tabellenwerk ist auf Literargeschichte spezialisiert. Die Tafeln haben deswegen nur zwei Zählspalten, in der ganz linken die Jahre vor/nach Christi Geburt, mit Zählung der Jahrhunderte, in der ganz rechten Anni Mundi auch mit Jahrhundertzählung. In der Mitte dagegen befindet sich nur eine, sehr große Spalte, in der die Ereignisse eingetragen werden. Es gibt mehrere Tabellen: Intercolumnium Primum; die erste geht von Adam bis Christi Geburt und erzählt die biblischen Ereignisse: "Res sacras memoratu dignissimas à creatione Mundi usque ad initium vulgaris Aerae Christianae exhibens"; Intercolumnium Secundum: die zweite sind die zur gleichen Zeit passierten profanen Ereignisse: "Res profanas memoratu dignissimas à creatione Mundi usque ad initium vulgaris Aerae Christianae exhibens." Alles ist nur in sehr groben Daten angegeben und es wird nur von großen Ereignissen (z.B. den Punischen Kriegen) und davon sehr kurz berichtet. Intercolumnium Tertium: die dritte berichtet von Schriften berühmter Männer: "Successionem Scriptorum illustrium à creatione Mundi usque ad initium vulgaris Aerae Christianae exhibens": Darin kommen dann Schriften wie die des Lehres des Adams, Angelus Raziel, "Abelis scripta magica supposititia, die Weissagungen der Pythia von Delphi, Zoroaster (i.J. 2200 v. Chr.), Homer, Hesiod (850 v.C.) usw. vor... Ab dem Jahr 700 dann sehr viel Literatur.
Die zweite Hälfte der Tabellen, nun "ab initio vulgaris Aerae Christianae usque ad nostram aetatem exhibens" — genauso mit drei Intercolumnes. Es gibt aber in der großen Spalte doch eine weitere Segmentierung zwischen den beiden Seiten der Doppelseite. Bei der Literatur wurde da zu Anfang zwischen biblischer Literatur und profaner unterschieden (profan rechts). Diese Trennung auch später bei den profanen Ereignissen: Beispiel 1451—1500: links der Kaiser ("Imp. MAXIMILIANUS I, Austriacus, coep. A. AE. C. 1493") dann in einer kastenartigen Setzung Entdeckung der Neuen Welt ("Detectio Novi Orbis terrarum per Christophorum Columbum Genuensem, A.AE.C. 1492") und dann, abgesetzt, doch eben in der gleich Spalte Gutenberg ("Joanne Guttenbergio Argentinensi, & Ioanne Fausto Moguntino").

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Liber primus || prodromi || historiae li- || terariae; || nec non || libri secundi || capita quatuor priora, || cum || appendice, || quae Sciagraphiam continet, sive primam delinea- || tionem praecipuarum Personarum ac Rerum, de quibus, vo- || lente Deo, reliquis triginta duobus ejusdem Libri || Capitibus plenius & accuratius || agetur. || Accedunt insuper || Tabulae Duae Chronographiae Universalis, || quarum priori succeßio omnium Seculorum à creatione Mundi usque ad initium || vulgaris Aera Christianae, posteriori autem continuatio eorundem ab initio || vulgaris Aerae Christianae usque ad nostram aetatem || exhibetur. Hamburg, Michael Piper, 1659. > zur digitalisierten Teiledition

Weiterführende Literatur:

  • Art. Lambeck, Peter. In: NDB Bd. 9, S.548 u. Bd. 13, S.426f. u Bd. 19, S.532 in Artikel Omeisius Magnus.
  • Halm, Karl Ritter von: Art. Lambeck, Peter. In: ADB Bd.17. S. 533—536.
  • Hoffmann: P. Lambeck als Schriftsteller und Bibliothekar. Soest 1864.
  • Karajan: Kaiser Leopold und Peter Lambeck. Wien 1868.


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