Geschichte der Frühen Neuzeit
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Konversion und frühmoderne Staatsbildung. Politikkonzepte, Entscheidungsprozesse und Reaktionen auf den Übertritt des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg zum Katholizismus (Gerda Henkel Stiftung)

Projekt von Dr. Eric Oliver Mader


Dieses Forschungsprojekt analysiert am Beispiel des 1613 erfolgten Übertritts Wolfgang Wilhelms von Pfalz-Neuburg zum Katholizismus entscheidende Politikkonzepte und ihre Umsetzung an einem frühneuzeitlichen Fürstenhof. Die Untersuchung dieses zentralen und über die engeren Grenzen des Reiches beachteten Ereignisses – der ersten Konversion eines bedeutenderen lutherischen Reichsfürsten, die den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit mitentschied – geschieht auf drei Ebenen: erstens durch die Rekonstruktion des Deutungshorizontes des Fürsten, und zwar mittels einer Verbindung buchgeschichtlicher Verfahren mit Ansätzen politischer Theorie- und Kulturtransferforschung; zweitens im Hinblick auf die Entscheidungsfindungsprozesse der pfalz-neuburgischen Räte, Agenten und Residenten sowie der Politikberatung Maximilians I. und seiner bayerischen Räte; drittens durch die Analyse lutherischer Reaktionen auf die Konversion. Im Spannungsfeld territorialer, rechtlicher und konfessioneller Dispositionen wird der Frage der Prägekraft eines prozessualen Politikverständnisses für die Ausbildung frühabsolutistischer Strukturen nachgegangen. Die zu erwartenden Ergebnisse sollen eine Brücke von dem bisher weitgehend autonom betrachteten Politikdiskurs um 1600 hin zu einer Pragmatisierung politischen Wissens schlagen. Damit lassen sich konkrete Entscheidungsprozesse an einem Fürstenhof an die Informationsgrundlagen und politisch-konfessionellen Konzepte der beteiligten Akteure auf neue Weise rückbinden. In diesem Sinne trägt das Projekt dazu bei, fruchtbare Erkenntnisse zur Ausdifferenzierung und überhaupt zum Verhältnis von Konfession und Politik in der Frühen Neuzeit zu gewinnen.