Geschichte der Frühen Neuzeit
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Dr. Martin Schmidt:
Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2013/14

Für Sitzungstermine, Räume und Zeiten sind die Angaben im LSF-Verzeichnis ausschlaggebend.

Basiskurs

Dienstag, 11-14 Uhr, K 201

Großbritannien und die Französische Revolution

Gillrays Karikatur von 1793: Britische Radikale richten dem Revolutionsgeneral Dumourier einen "Staatsempfang" ausDie Erschütterungen, die von der Französischen Revolution ausgingen, suchten auch die britische Insel heim. Die Ereignisse rührten am Nerv einer Gesellschaft, die grundlegend politisiert war und die die Nachrichten aus Paris auch vor dem Hintergrund der Glorious Revolution (1688/89) und der Amerikanischen Revolution einzuordnen versuchte. Sozialer Protest und Forderungen nach politischen Reformen erhielten einen kräftigen Auftrieb; der von Aufklärern als besonders „freiheitlich“ gefeierte Staat war mit zunehmender Kritik und Unruhen konfrontiert.Sehr schnell jedoch setzten auch konservative Gegenbewegungen ein, die die Protestformen ihrer Gegner übernahmen und gegen deren radikale Ziele einsetzten. Das Seminar beschäftigt sich also mit den sozialen und politischen Verhältnissen in Großbritannien im späten 18. Jahrhundert. Zudem werden die Traditionen politischen Denkens in Großbritannien thematisiert, um zu verdeutlichen, wie religiös oder historisch legitimierte Herrschaftsansprüche und Regierungspraktiken im späten 18. Jahrhundert an Kraft verloren. Vor diesem Hintergrund wird darüber hinaus die Ereignisgeschichte erörtert: das Handeln der politischen Akteure, die Organisationsformen und Medien der politischen Lager (z.B. Karikaturen) sowie die Kampagnen der Radikalen und die Unterdrückungsmaßnahmen ihrer Gegner.

Lehramtsrelevant sind u.a. die Seminarthemen: Legitimationsgrundlagen politischer, besonders konstitutionell-parlamentarischer Herrschaft, Aufklärung, Liberalismus und Konservatismus, Menschen- und Bürgerrechte, internationale Resonanz auf die Amerikanische und Französische Revolution.

 

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Großbritannien und die Französische Revolution" (Zugang nur mit freigeschalteter Kennung)

 

Basiskurs

Freitag, 12-15 Uhr, Ludwigstraße 25, Raum D 4b

Reisen im Zeitalter der Aufklärung: Bildungs-, Forschungs- und Handelsreisen im 18. Jh.

Italienische Poststation mit Bettlern - die Situation der 1830er Jahre war ähnlich im späten 18. Jahrhundert"Foreign travel is, of all others, the most important and essential part of education“, heißt es in einem 1764 publizierten fiktiven Dialog zwischen Lord Shaftesbury und John Locke. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert und speziell im goldenen Zeitalter der Grand Tour zwischen 1750 und 1789, wurde das Reisen in weiten Teilen der Aristokratie und des gutsituierten Bürgertums als der entscheidende Schritt betrachtet, durch den man sich für die prospektive bzw. erstrebte soziale Stellung qualifizierte: Klassische Bildung wurde durch Betrachtung historischer Orte und Ruinen vertieft, die Umgangsformen geschliffen und Kontakte mit den Eliten anderer Länder geknüpft. Die politischen Verhältnisse fremder Staaten wurden ausgekundschaftet, landwirtschaftliche und gewerbliche Techniken angeeignet, Handels- und Korrespondenznetze gestrickt, fremde Klimazonen und Naturräume erforscht. Kunstwerke und Sachobjekte wurden gekauft oder geraubt und nach Hause verfrachtet. Reisen konnte aber auch Zivilisationskritik entzünden, und Zurückkehrende wurden nicht selten als "effeminiert" und unpatriotisch geschmäht.Im ausgehenden 18. Jahrhundert kam es schließlich zur Entwicklung neuer Reise- und Wahrnehmungsformen und zur Erschließung einst als unwirtlich oder unzivilisiert geltender Reiseziele.

Die Geschichte des Reisens vertieft also den Blick auf die sozialen, politischen und geistig-kulturellen Verhältnisse im Zeitalter der Aufklärung. Diese Grundstrukturen der Epoche werden in den ersten Sitzungen überblickshaft erörtert, danach werden die verschiedenen Formen des Reisens und ihre Funktionen für Zwecke aufgeklärter Bildung, Forschung, Handel und Gewerbstätigkeit, Gesundheit und Religion thematisiert. Der Schwerpunkt des Proseminars liegt dabei auf Reisen von Briten, Deutschen und Franzosen in Westeuropa und Übersee.

 

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Reisen im Zeitalter der Aufklärung" (Zugang nur mit freigeschalteter Kennung)