Geschichte der Frühen Neuzeit
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Dr. Martin Schmidt:
Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/18

 

Für Sitzungstermine, Räume und Zeiten sind die Angaben im LSF-Verzeichnis ausschlaggebend.

Basiskurs

Neueste Geschichte
Mittwoch, 16-19 Uhr, Historicum, Raum K 201

Die Verdrängung der Nacht. Wahrnehmung, Kontrolle und Bekämpfung von sozialem Elend und Kriminalität in London in der Ära der Gasbeleuchtung (1810-1890)

Gasbeleuchtung in London 1810 (Wikimedia CC, bearb MSchmidt)Die Londoner Pall Mall wurde 1807 und 1810 als erste öffentliche Straße mit Gaslaternen beleuchtet. Nach variierenden Schätzungen etwa zwölf Mal heller und 75% billiger als zuvor übliche Öllampen, sorgte die erfolgreiche Vorführung der Technik dafür, dass das Parlament 1812 die Gründung des weltweit ersten Gasversorgers, der London and Westminster Gas Light and Coke Company, genehmigte. Kaum zehn Jahre später, 1825, erhellten bereits mehr als 40.000 Gaslaternen die nächtlichen Straßen der Hauptstadt.

Die neue Straßenbeleuchtung wurde anfänglich mit „Aufklärung“ sowie wissenschaftlichem und sozialem Fortschritt assoziiert. Doch dies änderte sich ab den 1830er Jahren zum Teil wieder. Denn die Straßenbeleuchtung trug wesentlich dazu bei, dass zuvor uneinsehbare Bereiche des Londoner Lebens ins Licht der Öffentlichkeit rückten und das Ausmaß sozialen Elends in London zunehmend erkennbar wurde. Für die vom Elend betroffenen Teile der Stadtbevölkerung wurde auch wachsende soziale Kontrolle spürbar, die mit der Ausleuchtung des Stadtraumes verbunden war. Arbeiterunruhen der 1830er und 1840er Jahre führten immer wieder zur Zerstörung von Gaslaternen , um die Kontroll- und Durchdringungsmacht von Behörden und Unternehmen zurückzudrängen.

Von der Industrialisierung Londons ab den 1840er Jahren an kämpfte sich das Gaslicht im Winter dagegen durch den immer dichteren "Nebel" (Smog), der sich so hartnäckig verbreitete, dass in vielen Kontoren die Bücher nicht offen liegen bleiben durften, damit Papier und Tinte nicht einrußten. Die "verdrängte Nacht" kehrte auch in Kunst und Literatur wieder zurück: Sozialroman, Krimi und Horror boomten, Sozialreportage und der soziale Realismus in Graphik und Malerei stellten Elend, Verwahrlosung und Entwürdigung der Londoner Normalbevölkerung bloß.

London im Smog 1847 (Wellcome Trust, CC, bearb MSchmidt)Eine Ära intensiven Kampfes gegen unzumutbare Wohn- und Kanalisationsverhältnisse, soziales Elend und Kriminalität in London begann: Sozialreformer, Parlamentskommissionen, christliche und philanthropische Gesellschaften, Sozialreporter und Investigativjournalisten arbeiteten sich durch die Stadt, entwarfen Reformpläne und erstellten Karten, die die Lebensverhältnisse bis hin zum angeblichen 'Kriminalitätsgrad' der Straßenanwohner erfassten. Kanalisationsmaßnahmen, die Einrichung von Bedürfnisanstalten und Bädern, Sozialwohnungen, und Besserungsanstalten schufen die Grundlagen moderner urbaner Infrastrukturen und Lebensverhältnisse.

Das Seminar thematisiert einleitend die Hauptprozesse der britischen Geschichte sowie der Strukturen von Staates und Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Themen sind dabei u.a. Früh- und Hochindustrialisierung, Reformpolitik und Liberalismus, soziale Frage und organisierte Arbeiterbewegung. Der Kurs geht dann gezielt auf die Besonderheiten der Metropole London und ihrer Lebensverhältnisse ein und erörtert die Wahrnehmung der sozialen Probleme und die differerierenden Reformziele, -pläne und -maßnahmen oder Widerstände der verschiedenen politischen Akteure.

Prüfungsformen im BA und modularisierten Lehramt und GSP: KL + RE + HA

Achtung NEU! Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA

 

Onlinematerialien im LMU-Team "London in der Ära der Gasbeleuchtung 1810-1890" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)


Übung (Vermittlung und Präsentation)

Gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein
Montag, 18-20 Uhr, Historicum, Raum K 326

Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts: Konzepte, Forschung und Quellen für den Unterricht

Filmplakat für "Metropolis" (1927, Archives New Zealand, Wikimedia CC, bearb MSchmidt)Kulturgeschichtliche Themen und Objekte erschließen oft besonders eingängige, anschauliche oder greifbare Aspekte des 20. Jahrhunderts. Was lässt der Bergfilm der 1920er und 30er Jahre über die politischen Systeme und Spaltungen der Epoche erkennen? Wie sind Werbung und Konsum mit der Thematik des Wiederaufbaus und des Kalten Krieges verbunden? Welche historischen und intellektuellen Veränderungen schlagen sich in der Musik der 1960er und 1970er Jahre nieder?

Diese Übung versucht, kulturgeschichtliche Methoden und Erkenntnisse für die Lehrplanthemen der gymnasialen Oberstufe fruchtbar zu machen. Diese beinhaltet Aspekte der deutschen, europäischen und amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, wie sie spätestens ab der 10. Klasse des gymnasialen Unterrichts unterrichtet werden müssen.

Die Übung reagiert auf den Wunsch vieler Studierender, Geschichtswissenschaft praxisnäher zu studieren. Denn das angebotene Übungsformat setzt sich zum Ziel, die Lehrplanthemen - entsprechend den Interessen der TeilnehmerInnen - fachwissenschaftlich zu erschließen und Unterrichtskonzepte mit einsetzbaren Unterrichtsmaterialien zu entwerfen, die im Seminar und mit Lehrern diskutiert werden.

Die Teilnehmer erhalten darüber hinaus die Gelegenheit, das von ihnen erarbeitete Stundenkonzept und ihre Unterrichtsmaterialien in einer anschließenden Praxisphase an einem Schwabinger Gymnasium in einer betreuten Unterrichtseinheit umzusetzen. Besonders geeignete Materialien können unter Umständen abschließend auch online öffentlich zugänglich gemacht werden.

"[Der Kurs gibt] Lehramtsstudenten wirklich Tipps für die Praxis", "[diesen Kurs sollte] jeder Lehramtsstudierende belegen", "gerne mehr Angebote wie diesen Kurs", "immer wieder hilfreiche Tipps" lauteten einige der Reaktionen auf das seit 2013 angebotene Seminarformat in den letzten Evaluationen. Auch die Arbeit im kleinen Kreis von 10 TeilnehmerInnen soll weiter beibehalten werden.

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

 

Onlinematerialien im LMU-Team "Kulturgeschichte des 20.Jh." (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

Forschungskolloquium

Donnerstag, 18-20 Uhr, Historicum, Raum K 226

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Forschungskolloquium, 2stündig
organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Neben Präsentationen der Promovierenden stehen im Wintersemester 2017/18, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, eine Reihe von Gastvorträgen aus Geschichtswissenschaft und Soziologie im Zentrum.

Themen und Termine