Geschichte der Frühen Neuzeit
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Dr. Martin Schmidt:
Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Für Sitzungstermine, Räume und Zeiten sind die Angaben im LSF-Verzeichnis ausschlaggebend.

Basiskurs

Geschichte der Frühen Neuzeit
Mittwoch, 13-16 Uhr, Historicum, Raum K 201

Private Life, Public Spirit: Kultur und Alltag der britischen Oberschichten im 18. Jahrhundert

Gainsborough, Mr and Mrs Andrews, 1749-50, DetailDie Alltagsgeschichte des britischen Bürgertums, des Landadels (gentry) und des Hochadels (peerage) eröffnet interessante Perspektiven auf die Geschichte Großbritanniens und das Jahrhundert der Aufklärung. Natürlich zählten die genannten Bevölkerungsschichten zu den wesentlichen Trägern des politischen Lebens der Epoche: Sie stützten die konstitutionelle Monarchie, wehrten drohende oder vermeintliche Übergriffe des kontinentalen Absolutismus ab, gaben den zögerlichen Reformen der Epoche ihre Zustimmung oder kämpften in außerparlamentarischen Vereinen, Wahlen und Komitees und fochten die hitzigen politischen Debatten in den neuen Medien der bürgerlichen Öffentlichkeit aus.

Eng ins politische Leben eingewoben, gaben Bürgertum und Adel dem Zeitgeist der Aufklärung wichtige Impulse, sowohl im Hinblick auf religiöse Toleranz und Freidenkertum, als auch auf wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse, technische Innovationen, soziale oder wirtschaftliche Einsichten und politisch radikale Ideen. Drittens prägten sie eine intensivierte Kultur der Geselligkeit (sociability), die neue Umgangsformen und Maximen sozialer Interaktion hervorbrachte. All dies fand zwar auch oder vor allem in öffentlichen Foren Ausdruck, doch bis hinein in den Raum des vermeintlich Privaten - in den Umgang der Geschlechter, in den Freizeitaktivitäten, in der Kultur des Reisens, der Architektur und Einrichtung von Landsitzen, Bibliotheken und Galerien, im Gebrauch von Luxusgütern und Mode, in der materiellen Kultur der Epoche, manifestierte sich der Wandel zur Moderne.

Das Seminar thematisiert einleitend die Grundstrukturen westeuropäischer Gesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Erschütterungen im späten 18. Jahrhundert. Es geht auf die Besonderheiten Großbritanniens und seines Kolonialreichs ein. Im zweiten Teil stehen dann die Grundzüge von Politik, Kultur und Alltag der bürgerlichen und adligen Eliten im Zeitalter der Aufklärung im Fokus des Seminars.

Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA
Prüfungsform im Didaktikfach Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Private Life, Public Spirit" (Zugang nur mit freigeschalteter CampusLMU-Kennung)


Übung (Vermittlung und Präsentation)

In Kooperation mit dem Arbeitskreis des "Kompetenzfeldes Kultur" an der Fakultät für Tourismusmanagement der FH München
Donnerstag, 12-14 Uhr, Historicum, Raum K 401

Geschichtserinnerung und Tourismus: Barockschlachten, Heritage Studies und Battlefield Tourism

Wootton, Battle of Blenheim, c1742, detail"Schlachtfeldtourismus" hat, häufig motiviert durch Spielfilme, Videospiele oder Reenactments, auch in Deutschland in jüngerer Zeit an Bedeutung gewonnen. Umso bemerkenswerter ist es, dass es in Deutschland nach wie vor nur wenige Museen (z.B. Rastatt, Münster) und historische Stätten (z.B. Kalkriese, Wittstock) gibt, die vormoderne, oft epochemachende und erinnerungspolitisch herausgehobene Schlachten und Kriege umfassend thematisieren. Auch die fachwissenschaftlichen Disziplinen der Schlachtenarchäologie, der Kriegsgeschichte und der Heritage Studies sind in Deutschland, nicht zuletzt aufgrund ihrer lange währenden (z.T. noch existenten) ideologischen Verbindung zu chauvinistischen und militaristischen Haltungen, schwächer ausgeprägt als in anderen Staaten.

Die Donau-Alb-Region zwischen Ulm und Ingolstadt zählt zu den am intensivsten von historischen Schlachten heimgesuchten Landschaften Mitteleuropas. Im Schnittpunkt der Expansionsinteressen und Machtsphären Frankreichs, Habsburgs und wechselnder Mächte im Norden gelegen, wurde die Region durch viele der neuzeitlichen mitteleuropäisch-internationalen Konflikte in Mitleidenschaft gezogen. Der Fluss und die relativ gut erschlossenen Ebenen erleichterten den Heeren die Logistik und Truppenbewegungen; Schwäbische Alb, Auen und Sümpfe boten einen Schutzschild. Viele Schlachten in dieser Region waren von epochaler Bedeutung: Die Schlacht von Nördlingen (1634) im Dreißigjährigen Krieg, die Schlacht von Höchstädt (1704) in den Konflikten mit Louis XIV. oder die Schlacht bei Ulm / Elchingen (1805), mit der sich die napoleonischen Armeen den Weg nach Mitteleuropa bahnten, fanden in dieser Region statt.

Trotz der großen Bedeutung der Gegend für die Geschichte (Mittel-)Europas erinnert vor Ort jedoch kaum etwas an die Ereignisse; außerhalb von Ulm und Nördlingen sind Kultur- und Geschichtstourismus kaum entwickelt, und die Region selbst steht als Urlaubsgebiet völlig im Schatten anderer Landesteile.

Das Seminar thematisiert die Charakteristika der dortigen Schlachten des 17. und 18. Jahrhunderts und die von ihnen ausgehenden Erschütterungen. Aufgabe der TeilnehmerInnen ist es dann, Wege der „Erinnerung“ an die Schlachten zu erkunden und unterschiedliche Konzepte zu entwickeln, mit denen "gewissenhafte sightseeker" (so wird ein Typus von Kulturtouristen genannt) sich die Ereignisse vor Ort vergegenwärtigen können. Dabei werden Ausstellungskonzepte, Belletristik, Videoanimationen, Dioramen, Reenactments, Denkmäler und Geländebegehungen thematisiert. Im Fokus stehen insbesondere die Schlachten von Höchstädt und Nördlingen. Die erarbeiteten Konzepte werden gemeinsam mit den teilnehmenden TourismusmanagerInnen auf ihre Umsetzbarkeit vor Ort und ihre mögliche Einbindung in die regionalen Strukturen und Planungen des Fremdenverkehrs geprüft.

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Geschichtstourismus" (Zugang nur mit freigeschalteter CampusLMU-Kennung)

 

Forschungskolloquium

Donnerstag, 18-20 Uhr, Historicum, Raum K 202

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Forschungskolloquium, 2stündig
organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Neben Präsentationen der Promovierenden stehen im Sommersemester 2017, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, neben Gastvorträgen auch ein Workshop zur Public History im Zentrum des Programms.

Themen und Termine