Geschichte der Frühen Neuzeit
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Dr. Martin Schmidt: Lehrveranstaltungen 2003-2017

Zu den Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/18 siehe aktuelle Lehrveranstaltungen.
Sitzungstermine, Räume und Zeiten entnehmen Sie bitte der LSF-Webseite.

Sommersemester 2017

Private Life, Public Spirit: Kultur und Alltag der britischen Oberschichten im 18. Jahrhundert

Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2017 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Gainsborough, Mr and Mrs Andrews, 1749-50, DetailDie Alltagsgeschichte des britischen Bürgertums, des Landadels (gentry) und des Hochadels (peerage) eröffnet interessante Perspektiven auf die Geschichte Großbritanniens und das Jahrhundert der Aufklärung. Natürlich zählten die genannten Bevölkerungsschichten zu den wesentlichen Trägern des politischen Lebens der Epoche: Sie stützten die konstitutionelle Monarchie, wehrten drohende oder vermeintliche Übergriffe des kontinentalen Absolutismus ab, gaben den zögerlichen Reformen der Epoche ihre Zustimmung oder kämpften in außerparlamentarischen Vereinen, Wahlen und Komitees und fochten die hitzigen politischen Debatten in den neuen Medien der bürgerlichen Öffentlichkeit aus.

Eng ins politische Leben eingewoben, gaben Bürgertum und Adel dem Zeitgeist der Aufklärung wichtige Impulse, sowohl im Hinblick auf religiöse Toleranz und Freidenkertum, als auch auf wissenschaftliche Methoden und Erkenntnisse, technische Innovationen, soziale oder wirtschaftliche Einsichten und politisch radikale Ideen. Drittens prägten sie eine intensivierte Kultur der Geselligkeit (sociability), die neue Umgangsformen und Maximen sozialer Interaktion hervorbrachte. All dies fand zwar auch oder vor allem in öffentlichen Foren Ausdruck, doch bis hinein in den Raum des vermeintlich Privaten - in den Umgang der Geschlechter, in den Freizeitaktivitäten, in der Kultur des Reisens, der Architektur und Einrichtung von Landsitzen, Bibliotheken und Galerien, im Gebrauch von Luxusgütern und Mode, in der materiellen Kultur der Epoche, manifestierte sich der Wandel zur Moderne.

Das Seminar thematisiert einleitend die Grundstrukturen westeuropäischer Gesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Erschütterungen im späten 18. Jahrhundert. Es geht auf die Besonderheiten Großbritanniens und seines Kolonialreichs ein. Im zweiten Teil stehen dann die Grundzüge von Politik, Kultur und Alltag der bürgerlichen und adligen Eliten im Zeitalter der Aufklärung im Fokus des Seminars.

Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA
Prüfungsform im Didaktikfach Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Private Life, Public Spirit" (Zugang nur mit freigeschalteter CampusLMU-Kennung)

 

Geschichtserinnerung und Tourismus: Barockschlachten, Heritage Studies und Battlefield Tourism

Übung Vermittlung und Präsentation, 2stündig
Sommersemester 2017 (Geschichte der Frühen Neuzeit)
Geplant als kooperatives Seminar mit der Fakultät für Tourismusmanagement der FH München

Wootton, Battle of Blenheim, c1742, detail"Schlachtfeldtourismus" hat, häufig motiviert durch Spielfilme, Videospiele oder Reenactments, auch in Deutschland in jüngerer Zeit an Bedeutung gewonnen. Umso bemerkenswerter ist es, dass es in Deutschland nach wie vor nur wenige Museen (z.B. Rastatt, Münster) und historische Stätten (z.B. Kalkriese, Wittstock) gibt, die vormoderne, oft epochemachende und erinnerungspolitisch herausgehobene Schlachten und Kriege umfassend thematisieren. Auch die fachwissenschaftlichen Disziplinen der Schlachtenarchäologie, der Kriegsgeschichte und der Heritage Studies sind in Deutschland, nicht zuletzt aufgrund ihrer lange währenden (z.T. noch existenten) ideologischen Verbindung zu chauvinistischen und militaristischen Haltungen, schwächer ausgeprägt als in anderen Staaten.

Die Donau-Alb-Region zwischen Ulm und Ingolstadt zählt zu den am intensivsten von historischen Schlachten heimgesuchten Landschaften Mitteleuropas. Im Schnittpunkt der Expansionsinteressen und Machtsphären Frankreichs, Habsburgs und wechselnder Mächte im Norden gelegen, wurde die Region durch viele der neuzeitlichen mitteleuropäisch-internationalen Konflikte in Mitleidenschaft gezogen. Der Fluss und die relativ gut erschlossenen Ebenen erleichterten den Heeren die Logistik und Truppenbewegungen; Schwäbische Alb, Auen und Sümpfe boten einen Schutzschild. Viele Schlachten in dieser Region waren von epochaler Bedeutung: Die Schlacht von Nördlingen (1634) im Dreißigjährigen Krieg, die Schlacht von Höchstädt (1704) in den Konflikten mit Louis XIV. oder die Schlacht bei Ulm / Elchingen (1805), mit der sich die napoleonischen Armeen den Weg nach Mitteleuropa bahnten, fanden in dieser Region statt.

Trotz der großen Bedeutung der Gegend für die Geschichte (Mittel-)Europas erinnert vor Ort jedoch kaum etwas an die Ereignisse; außerhalb von Ulm und Nördlingen sind Kultur- und Geschichtstourismus kaum entwickelt, und die Region selbst steht als Urlaubsgebiet völlig im Schatten anderer Landesteile.

Das Seminar thematisiert die Charakteristika der dortigen Schlachten des 17. und 18. Jahrhunderts und die von ihnen ausgehenden Erschütterungen. Aufgabe der TeilnehmerInnen ist es dann, Wege der „Erinnerung“ an die Schlachten zu erkunden und unterschiedliche Konzepte zu entwickeln, mit denen "gewissenhafte sightseeker" (so wird ein Typus von Kulturtouristen genannt) sich die Ereignisse vor Ort vergegenwärtigen können. Dabei werden Ausstellungskonzepte, Belletristik, Videoanimationen, Dioramen, Reenactments, Denkmäler und Geländebegehungen thematisiert. Im Fokus stehen insbesondere die Schlachten von Höchstädt und Nördlingen. Die erarbeiteten Konzepte werden gemeinsam mit den teilnehmenden TourismusmanagerInnen auf ihre Umsetzbarkeit vor Ort und ihre mögliche Einbindung in die regionalen Strukturen und Planungen des Fremdenverkehrs geprüft.

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Geschichtstourismus" (Zugang nur mit freigeschalteter CampusLMU-Kennung)

 

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Forschungskolloquium, 2stündig
Sommersemester 2017 (Neuere und Neueste Geschichte)
organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Neben Präsentationen der Promovierenden stehen im Sommersemester 2017, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, neben Gastvorträgen auch ein Workshop zur Public History im Zentrum des Programms.

Themen und Termine

 

Wintersemester 2016/17

Irland unter britischer Herrschaft. Von der 'Ulster Plantation' zur 'Catholic Emancipation' 1609-1829

Basiskurs, 3stündig
Wintersemester 2016/17 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Cruikshank - Postkutschenüberfall und Ermordung des britischen Leutnants William Gifford 1798 (brit. Darstellung 1845)In der Geschichte Westeuropas steht Irland weithin im Schatten seines britischen Nachbarn. Seit dem Hochmittelalter unter englischer Dominanz, bildete Irland sowohl ein Territorium mit eigenständigen nationalen Strukturen, als auch einen integrierten Teil des Königreiches. Es kann aber auch als eine Kolonie Großbritanniens betrachtet werden, insofern es Sonderregelungen und politischen Maßnahmen unterworfen war, die in gleicher Form z.T. nicht einmal in anderen britischen Kolonien zur Anwendung kamen. Viele Krisen und Herausforderungen, die in England, Wales und Schottland mit mehr oder weniger großem Erfolg gelöst wurden, konnten in Irland nicht oder nur unter großen Lasten für Bevölkerung und Eliten bewältigt werden – Irland eröffnet also auch einen spannenden Blick auf die Geschichte Großbritanniens, denn alle Ereignisse von der Englischen (Puritanischen) Revolution und der Glorreichen Revolution bis zu den Reformgesetzen der Zeit um 1830 hatten auch Folgen für und Nachspiele in Irland.

Das Seminar thematisiert einleitend die Grundstrukturen westeuropäischer Gesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre Erschütterungen. Es geht dabei auf die Besonderheiten Irlands und Großbritanniens ein und erörtert dann die Probleme der irischen Geschichte aus dem doppelten Blickwinkel der Akteure und Betroffenen beider Staaten – sowie die Sicht von Historikern beider Staaten auf die eher ‚geteilte‘ als ‚gemeinsame‘ Vergangenheit.

Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA
Prüfungsform im Didaktikfach Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Irland unter britischer Herrschaft" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Demokratie und Diktatur - Probleme der deutschen Geschichte: Konzepte, Forschungen und Quellen für den Unterricht

Übung (Vermittlung und Präsentation), 2stündig
Gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein
Wintersemester 2016/17 (Neuere und Neueste Geschichte)

Polizeikontrolle in Berlin bei der Wahl 1933"Demokratie und Diktatur - Probleme der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert" ist das Lehrplanthema für das zweite Halbjahr des Geschichtsunterrichts im 11. Jahrgang des Gymnasiums. In rund 32 Stunden werden die Stärken und Schwächen der Demokratie sowie die Herausforderung der demokratischen Ordnungen durch die Diktaturen abgehandelt – im chronologischen Längsschnitt durch Weimarer Republik, das Dritte Reich, die Bundesrepublik und die DDR.

Wie lässt sich dieses gewaltige Spektrum an Themen erfassen und pointiert vermitteln? Die Übung reagiert auf den Wunsch vieler Studierender, Geschichtswissenschaft praxisnäher zu studieren. Das Übungsformat setzt sich zum Ziel, das Thema - entsprechend den Interessen der TeilnehmerInnen - fachwissenschaftlich zu erschließen und Unterrichtskonzepte mit einsetzbaren Unterrichtsmaterialien zu entwerfen, die im Seminar und mit Lehrern diskutiert werden.

Im Fokus dieser Übung steht der Zivilisationsbruch des Völkermords am europäischen Judentum, dessen Ursachen und Nachwirkung. Dementsprechend werden in der Übung Unterrichtsstunden zur Entstehung der Judenverfolgung, den Vernichtungslagern, zur Täterforschung und zum Umgang mit dem Nationalsozialismus in der frühen Bundesrepublik stehen. Darüber hinaus wird die frühe Bundesrepublik im Hinblick auf die Durchsetzung einer "geglückten Demokratie" (E. Wolfrum) thematisiert.

Die Teilnehmer erhalten darüber hinaus die Gelegenheit, das von ihnen erarbeitete Stundenkonzept und ihre Unterrichtsmaterialien in einer anschließenden Praxisphase im Sommersemester, an einem Schwabinger Gymnasium in einer betreuten Unterrichtseinheit umzusetzen. Besonders geeignete Materialien können unter Umständen abschließend auch online öffentlich zugänglich gemacht werden.

"[Der Kurs gibt] Lehramtsstudenten wirklich Tipps für die Praxis", "[diesen Kurs sollte] jeder Lehramtsstudierende belegen", "gerne mehr Angebote wie diesen Kurs", "immer wieder hilfreiche Tipps" lauteten einige der Reaktionen auf das neuartige Seminarformat in der letzten Evaluation. Auch die Arbeit im kleinen Kreis von 10 TeilnehmerInnen soll dabei weiter beibehalten werden.

Die Übung wird gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein geleitet; die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Demokratie und Diktatur" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Forschungskolloquium, 2stündig
in Abstimmung mit den ProMoHist-DoktorandInnen
Wintersemester 2016/17 (Neuere und Neueste Geschichte)

Logo ProMoHist


Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Neben Präsentationen der Promovierenden stehen im Wintersemester 2016-17, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, eine Reihe von Gastvorträgen aus Geschichtswissenschaft und Soziologie im Zentrum.

Themen und Termine

 

 
Sommersemester 2016

"Raising up a nation of customers": Das Erste britische Empire 1650-1783

Copley, Portrait des Kaufmanns N. Boylston, 1767Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2016 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Die Ursprünge des britischen Kolonialreichs, des um 1900 schließlich flächengrößten Reiches der Weltgeschichte, nehmen sich im Vergleich zu anderen frühen Kolonialreichen bescheiden aus. Mit einiger Verzögerung gegenüber Spanien, Portugal und den Niederlanden wurde jedoch auch die englische Monarchie aktiv, um England einen Anteil an den globalen Strömen von Edelmetallen, kostbaren Agrarprodukten, Sklaven und Handelsgewinnen zu sichern. Dazu bediente man sich anfänglich meist kurzlebiger Handelsstützpunkte und einer Art obrigkeitlich autorisierter Piraterie. Erst Zuckerplantagen in der Karibik nach portugiesischem Muster, Handelsstützpunkte und -kolonien an der Ostküste Nordamerikas sowie eine von religiösem Nonkonformismus getragene Siedlungsbewegung konsolidierten schließlich das sog. Erste britische Empire, dessen Schwerpunkt im atlantischen Raum lag und das bis zur Niederlage im Unabhängigkeitskrieg der 13 nordamerikanischen Kolonien Bestand hatte.

Seit dem 17. Jahrhundert war dieses Empire sehr eng mit den inneren wirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Entwicklungen der Metropole, d.h. England bzw. Großbritannien, verbunden. Einführend in die Neuere Geschichte werden die Grundstrukturen westeuropäischer Gesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts rekapituliert. Im zweiten Schritt thematisiert das Seminar die Besonderheiten Großbritanniens, des ersten britischen Kolonialreichs und der kolonialen Gesellschaft im Empire. Dabei werden Handels- und administrative Strukturen, die Vermittlung und Modifikation von Gesetzen und Rechtsinstitutionen, der Im- und Export von Gütern und Produktionsmethoden und die Verbreitung politischer Ideen in den Blick genommen. Zudem wird untersucht, wie die Dynamik der Expansion und die Entwicklungen in den Kolonien auf Großbritannien selbst zurückwirkten und wie die aus Großbritannien exportierten Ideen einen Anstoß zur Unabhängigkeitserklärung der USA gaben.

Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Das Erste britische Empire 1650-1783" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Forschungskolloquium, 2stündig
organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden
Sommersemester 2016 (Neuere und Neueste Geschichte)

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Neben Präsentationen der Promovierenden stehen im Sommersemester 2016, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, ein Schreibcoaching sowie methodisch-theoretische Vorträge und Kurse im Zentrum.

Themen und Termine

 

Wintersemester 2015/16

Die Amerikanische Revolution 1750-1790

Declaration of Independence 1776 (1819)

Basiskurs, 3stündig
Wintersemester 2015-16 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Vor und während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) waren die Siedlerkolonien Nordamerikas zwischen Frankreich und Großbritannien hart umkämpft. Nach dem für Großbritannien erfolgreichen Ende des Krieges schien die Herrschaft des Königreiches über die Ostküste Nordamerikas für die nähere Zukunft gesichert. Tatsächlich aber verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie binnen eines Jahrzehntes dramatisch. In einem rasanten Prozess verschärften sich die Spannungen zu Entfremdung und scharfem Antagonismus. Die Unabhängigkeitserklärung 1776 leitete die letzte Phase des Ablösungsprozesses ein, die mit dem Pariser Frieden 1783 endete. Zeitgleich vollzog sich die Nationsbildung, die mit der Verfassung von 1787 zu einem vorläufigen Abschluss kam. Die erste parlamentarisch-repräsentative Demokratie der Moderne war begründet.

Das Seminar thematisiert einleitend die Grundstrukturen westeuropäischer Gesellschaften des 18. Jahrhunderts und ihre Erschütterung im späten 18. Jahrhundert. Es geht auf die Besonderheiten Großbritanniens, des ersten britischen Kolonialreichs und der kolonialzeitlichen Gesellschaft in Nordamerika ein und erörtert, wie die aus Großbritannien importierten Ideen und Debatten zum Ferment der Revolution wurden. Zudem werden die eskalierenden Konflikte, die kulturellen, sozialen und politischen Aspekte der Nationsbildung sowie die Verfassungsentwicklung und die Rückwirkungen der Amerikanischen Revolution auf Europa diskutiert.

Lehramtsrelevant sind u.a. die Seminarthemen: Legitimationsgrundlagen politischer, besonders parlamentarisch-demokratischer Herrschaft, Aufklärung, Liberalismus und Konservatismus, Menschen- und Bürgerrechte, internationale Resonanz auf die Amerikanische Revolution. Die Amerikanische Revolution ist Lehrplanthema für den Geschichtsunterricht in der Jahrgangsstufe 12.

Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Die Amerikanische Revolution" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Geschichte in der Karikatur: Interpretation und Präsentation eines Streitmediums

Gillray Napoleon Raging

Übung (Vermittlung und Präsentation), 2stündig
Wintersemester 2015/16 (Neuere und Neueste Geschichte)

Karikaturen zählen zu den spannendsten politischen Medien und historischen Quellen der Moderne. Sie bzw. einzelne Karikaturen standen mehrfach im Ruf, Politiker und Ministerialkabinette zu Fall gebracht zu haben oder Konflikte ausgelöst und verschärft zu haben. Karikaturisten wurden juristisch verfolgt, bestochen und für Auftragspropaganda bezahlt - oder ließen sich kompromittierende Werke von den Dargestellten teuer abkaufen. Neuere Forschungen legen zudem nahe, dass Karikaturen auch die verbale und schriftliche politische Kommunikation einschneidend veränderten: Kampfschriften und politisch befrachtete Texte mit Personenportraits, Gruppen- und Milieuschilderungen bedienten sich seit dem beginnenden 19. Jahrhundert immer intensiver des karikaturistischen Arsenals der treffenden Entstellung.

Als Instrument der Vermittlung erfreuen sich Karikaturen enormer Beliebtheit und prägen nicht selten das Nachbild von Personen und Ereignissen im kollektiven Gedächtnis: Kaum eine Darstellung von Bismarcks Rücktritt verzichtet etwa auf John Tenniels „Punch“-Karikatur „Dropping the Pilot“ (in Deutschland bekannt als „Der Lotse geht von Bord“). Allerdings beschränkt sich die Verwendung in der Literatur oft auf die veranschaulichende Illustration. Tatsächlich aber lassen sich anhand von Karikaturen oft die komplexen Problem- und Konfliktlagen einer historischen Situation erschließen und vermitteln.

Die Übung thematisiert daher einführend die Entwicklung und medialen Eigenschaften der Karikatur und macht mit Methoden der Interpretation und Präsentation vertraut. Auf dieser Grundlage werden dann herausragende Künstler, Oeuvres und Einzelarbeiten von der "Goldenen Ära der britischen Karikatur" (ca. 1760-1830) bis zur Nachkriegszeit in ihren jeweiligen historischen Kontexten diskutiert.

Prüfungsform im BA und mod. Lehramt: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Geschichte in der Karikatur" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

Demokratie und Diktatur - Probleme der deutschen Geschichte: Konzepte, Forschungen und Quellen für den Unterricht

Polizeikontrolle in Berlin bei der Wahl 1933

Übung (Vermittlung und Präsentation), gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein, 2stündig
Wintersemester 2015/16 (Neuere und Neueste Geschichte)

"Demokratie und Diktatur - Probleme der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert" ist das Lehrplanthema für das zweite Halbjahr des Geschichtsunterrichts im 11. Jahrgang des Gymnasiums. In rund 32 Stunden werden die Stärken und Schwächen der Demokratie sowie die Herausforderung der demokratischen Ordnungen durch die Diktaturen abgehandelt – im chronologischen Längsschnitt durch Weimarer Republik, das Dritte Reich, die Bundesrepublik und die DDR.

Wie lässt sich dieses gewaltige Spektrum an Themen erfassen und pointiert vermitteln? Die Übung reagiert auf den Wunsch vieler Studierender, Geschichtswissenschaft praxisnäher zu studieren. Das Übungsformat setzt sich zum Ziel, das Thema - entsprechend den Interessen der TeilnehmerInnen - fachwissenschaftlich zu erschließen und Unterrichtskonzepte mit einsetzbaren Unterrichtsmaterialien zu entwerfen, die im Seminar und mit Lehrern diskutiert werden.

Im Fokus dieser Übung steht der Zivilisationsbruch des Völkermords am europäischen Judentum, dessen Ursachen und Nachwirkung. Dementsprechend werden in der Übung Unterrichtsstunden zur Entstehung der Judenverfolgung, den Vernichtungslagern, zur Täterforschung und zum Umgang mit dem Nationalsozialismus in der frühen Bundesrepublik stehen. Darüber hinaus wird die frühe Bundesrepublik im Hinblick auf die Durchsetzung einer "geglückten Demokratie" (E. Wolfrum) thematisiert.

Die Teilnehmer erhalten darüber hinaus die Gelegenheit, das von ihnen erarbeitete Stundenkonzept und ihre Unterrichtsmaterialien in einer anschließenden Praxisphase im Sommersemester, an einem Schwabinger Gymnasium in einer betreuten Unterrichtseinheit umzusetzen. Besonders geeignete Materialien können unter Umständen abschließend auch online öffentlich zugänglich gemacht werden.

"[Der Kurs gibt] Lehramtsstudenten wirklich Tipps für die Praxis", "[diesen Kurs sollte] jeder Lehramtsstudierende belegen", "gerne mehr Angebote wie diesen Kurs", "immer wieder hilfreiche Tipps" lauteten einige der Reaktionen auf das neuartige Seminarformat in der letzten Evaluation. Auch die Arbeit im kleinen Kreis von 10 TeilnehmerInnen soll dabei weiter beibehalten werden.

Die Übung wird gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein geleitet; die Teilnehmerzahl ist begrenzt!

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Demokratie und Diktatur" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Doktorandenkolloquium, organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden, 2stündig
Wintersemester 2015/16 (Neuere und Neueste Geschichte)

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Für das Wintersemester 2015/16 konnten, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, erneut viele Gastreferenten gewonnen werden.

Themen und Termine

 

Sommersemester 2015

Ständegesellschaft - Industriegesellschaft: Konzepte, Forschung und Quellen für den Unterricht

Caillebotte Regentag in Paris

Übung (Vermittlung und Präsentation), gemeinsam mit OStR Christoph von Ehrenstein, 2stündig
Sommersemester 2015 (Neuere und Neueste Geschichte)

"Leben in der Ständegesellschaft des 15. bis 18. Jahrhunderts" und "Leben in der entstehenden Industriegesellschaft des 19. Jahrhunderts" sind die Lehrplanthemen für das erste Halbjahr des Geschichtsunterrichts im 11. Jahrgang des Gymnasiums. In rund 20 Stunden soll ein Abriss der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von 450 Jahren vermittelt werden, und dies mit Blick besonders auf regionale Beispiele.

Wie lassen sich die Aspekte des Themas knapp und anschaulich erfassen und vermitteln? Denn das Spektrum des Themas ist breit - der Lehrplan nennt: Lebens- und Arbeitsbedingungen, gewerblich und agrarisch geprägte Räume, Leibeigenschaft, Grundherrschaft, Genossenschaft, soziale Normen, der Status von Minderheiten, Elemente der Sozialfürsorge, agrarische Subsistenz, Zünfte, Verlag, Manufaktur, Gemeinschaftlichkeit und Geschlechterrollen sowie die demographische Entwicklung. Können solche Themen am Beispiel einer Stadt wie München dargestellt werden (es ist mindestens eine Exkursion, z.B. in das Westend oder nach Pasing geplant)?

Kinderarbeit um 1900Die Übung reagiert auf den Wunsch vieler Studierender, Geschichtswissenschaft praxisnäher zu studieren. Sie setzt sich zum Ziel, das Thema - entsprechend den Interessen der TeilnehmerInnen - fachwissenschaftlich zu erschließen und Unterrichtskonzepte mit einsetzbaren Unterrichtsmaterialien zu entwerfen, die im Seminar und mit Lehrern diskutiert werden. Die Teilnehmer erhalten darüber hinaus die Gelegenheit, das von ihnen erarbeitete Stundenkonzept und ihre Unterrichtsmaterialien in einer anschließenden Praxisphase im Wintersemester, an einem Schwabinger Gymnasium in einer betreuten Unterrichtseinheit umzusetzen. Besonders geeignete Materialien sollen abschließend auch online öffentlich zugänglich gemacht werden.

Die Veranstaltung wird gemeinsam mit StR Christoph von Ehrenstein geleitet.

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Ständegesellschaft - Industriegesellschaft" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 

 

Visuelle Quellen in der Geschichtswissenschaft: Recherche, Interpretation und Präsentation

Camera Lucida

Praxismodul (Übung Praxis Geschichte im Masterstudiengang)
und Übung (Vermittlung und Präsentation)
Sommersemester 2015, 2stündig

Visuelle Quellen haben auch in der Geschichtswissenschaft in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen: zunächst als Quelle für schriftlich weniger gut erfasste Sachverhalte, Praktiken und Kommunikationsprozesse. Grund dafür ist nicht zuletzt der Sachverhalt, dass die soziale Kommunikation in vergangenen Epochen zu einem wesentlichen Teil mit Graphiken und Gemälden - etwa Karikaturen, Historienbildern, wissenschaftlichen Illustrationen oder Werbebildern - bestritten worden ist.

Zudem werden Bilder jedoch auch als Instrument der Vermittlung wichtiger. Zwar beschränkt sich die Verwendung in der Literatur oft auf optisch bereichernde oder veranschaulichende Illustration, doch lassen sich anhand von Bildern und visuellem Material auch komplexe Sachverhalte eingängig vermitteln. Die Übung macht deshalb zunächst mit einigen Ansätzen der Bildinterpretation vertraut, wie sie z.B. in der Ikonologie, der Semiotik, der Medien- und Bildwissenschaft sowie der 'Historischen Bildforschung’ verwendet werden. Diese Ansätze werden anhand gut erschlossener Bildbestände von der Reformationspropaganda bis zur Werbung der Nachkriegszeit erprobt.

Prüfungsform im BA und mod. LA, MA: RE

Onlinematerialien im LMU-Team "Visuelle Quellen" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung nach Anmeldung)

 


Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHist

Doktorandenkolloquium, organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden, 2stündig
Sommersemester 2015 (Neuere und Neueste Geschichte)

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Für das Sommersemester 2015 konnten, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, erneut viele Gastreferenten gewonnen werden.

Themen und Termine

 

Wintersemester 2014/15

Die Aufklärung: Ideen, Zentren, Kultur in Deutschland und Westeuropa 1720-1790

Basiskurs, 3stündig
Wintersemester 2014-15 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Rowlandson, Der Anatom John Heavisite bei der Vorlesung, 1790er JahreDie Aufklärung war die wirkungsmächtigste intellektuelle Strömung des 18. Jahrhunderts und wegbereitend für die Moderne. Nahezu alle Bereiche des modernen Lebens - Politik, Wissenschaft, Medien, Recht, Bildung, Geschlechterbeziehungen u.a. - verdanken der Aufklärung wesentliche Neuerungen und Impulse: So werden insbesondere die Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte, der Gewaltenteilung, der parlamentarischen Herrschaft und andere Rechts- und Verwaltungsreformen mit der Aufklärung in Zusammenhang gebracht. Auch neue Formen der Geselligkeit, religiöser Toleranz und empirischer Methoden in den Wissenschaften entstanden im Zeitalter der Aufklärung; in Wirtschaft, Alltag, Sprache und Kunst kamen rationellere Praktiken und Prüfungsverfahren zur Anwendung. Spätestens seit den Revolutionen in Nordamerika und Frankreich wurde und wird die Aufklärung jedoch auch für einige Probleme und Fehlentwicklungen der Moderne mitverantwortlich gemacht.

Das Seminar führt in die politischen und sozialen Verhältnisse des 18. Jahrhunderts ein und konzentriert sich im weiteren Verlauf auf die Zentren der Aufklärung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland (bei Interesse auch weitere). Es thematisiert danach die soziale Basis der verschiedenen Aufklärerkreise in den genannten Ländern und ihre Ideen, Ziele und Wirken. Dabei durchschreitet das Seminar systematisch auch die verschiedenen Handlungsfelder in Politik, Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, in denen die Aufklärer Wirkung zu entfalten versuchten. Neben Hauptvertretern werden auch Kritiker und die Grenzen der Aufklärung erörtert. Die Aufklärung ist Thema des bayerischen Lehrplans für den gymnasialen Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 8 und 12.

Prüfungsformen im BA und modularisierten Lehramt: RE+KL+HA


Onlinematerialien im LMU-Team "Aufklärung in Deutschland und Westeuropa" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)

 

 

Doktorandenkolloquium im Promotionsprogramm ProMoHist

Logo ProMoHistForschungskolloquium, 2stündig
organisiert in Abstimmung mit den ProMoHist-Doktoranden
Wintersemester 2014-15

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Für das Winterersemester 2014/15 konnten, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, erneut viele Gastreferenten gewonnen werden.

Themen und Termine

 

Sommersemester 2014

Großbritannien und die Amerikanische Revolution: Konflikte in Metropole und Kolonien 1763-1783

Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2014 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Gillray The Times (1783): Spanien und Frankreich verspotten Großbritannien nach der Niederlage gegen die USA 1783Nach dem Sieg Großbritanniens im Siebenjährigen Krieg (1756-1763), den das gegnerische Frankreich mit dem Verlust nahezu aller Kolonien bezahlte, schien die Herrschaft Großbritanniens über die Ostküste Nordamerikas mittelfristig gesichert. Tatsächlich aber verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Metropole und Peripherie binnen eines Jahrzehntes dramatisch. Die eintretende Entfremdung und Polarisierung leiteten mit der Unabhängigkeitserklärung 1776 den Ablösungsprozess ein; er wurde mit dem Pariser Frieden 1783 vollendet. Zeitgleich vollzog sich die Nationsbildung, die mit der Verfassung von 1787 zu einem vorläufigen Abschluss kam. Die erste parlamentarisch-repräsentative Demokratie der Moderne war begründet.

Das Seminar thematisiert die Grundstrukturen der westeuropäischen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts und ihre Erschütterung im späten 18. Jahrhundert. Es geht auf die Besonderheiten Großbritanniens, des ersten britischen Kolonialreichs und der kolonialzeitlichen Gesellschaft in Nordamerika ein und erörtert, wie die aus Großbritannien importierten Ideen und Debatten zum Ferment der Revolution wurden. Zudem werden die eskalierenden Konflikte, die kulturellen, sozialen und politischen Aspekte der Nationsbildung sowie die Verfassungsentwicklung und die Rückwirkungen der Amerikanischen Revolution auf Europa diskutiert.

Lehramtsrelevant sind u.a. die Seminarthemen: Legitimationsgrundlagen politischer, besonders parlamentarisch-demokratischer Herrschaft, Aufklärung, Liberalismus und Konservatismus, Menschen- und Bürgerrechte, internationale Resonanz auf die Amerikanische Revolution. Die Amerikanische Revolution ist Lehrplanthema für den Geschichtsunterricht in der Jahrgangsstufe 12.

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien finden Sie im LMU-Team "Großbritannien und die Amerikanische Revolution" (Zugriff nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)
Kurz-URL: https://www.teams.portal.uni-muenchen.de/vibe/uk_usa

 

 

 Die Französische Revolution 1789-1799

Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2014 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Umkehrung der Ständeordnung 1789: "Ich wusste, dass wir auch noch an die Reihe kommen"Die Französische Revolution ist bis heute eines der zentralen historischen Ereignisse, anhand derer man sich in Europa der Unentbehrlichkeit und Legitimität der Menschen- und Bürgerrechte und der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie versichert. Zudem wirft die Revolution unverändert brisante Fragen auf, etwa solche nach dem Verhältnis von Staat und Kirche oder nach den Strukturen moderner Nationalstaatlichkeit. Dass die Französische Revolution zu einem Fixpunkt des historischen Bewusstseins wurde, liegt nicht zuletzt aber auch an dem präzedenzlos radikalen, gewaltsamen und verwerfungsreichen Durchbruch vieler Neuerungen gegen die Strukturen des Ancien Regime – einem Bruch, von dessen Folgen nicht allein Frankreich, sondern viele weitere Regionen in und außerhalb Europas betroffen waren.

Im Basiskurs werden zunächst die Grundstrukturen des Ancien Regimes und die Ursachen der Revolution thematisiert. Zusammen mit den Phasen der Revolution werden die unterschiedlichen tragenden Kräfte, Interessengruppen, Gegenbewegungen und Interventionen aus dem Ausland erörtert. Darüber hinaus werden die Rolle der Gewalt und die Radikalisierung der Revolution (Terreur), die visuelle und symbolische Kommunikation, die Revolutionskultur, der Kult um den Opfertod, das politische Leben und der soziale Alltag in Paris und den Provinzen sowie die Erinnerung an die Revolution untersucht. Die Französische Revolution ist Lehrplanthema für den Geschichtsunterricht in der Jahrgangsstufe 8.

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien finden Sie im LMU-Team "Französische Revolution 1789-1799" (Zugriff nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)
Kurz-URL: https://www.teams.portal.uni-muenchen.de/vibe/franzrev

 

 

„Europäische Kultur und Gesellschaft“ in der Schule - didaktische Konzepte und praktische Anwendungen

Übung (Vermittlung und Präsentation), 2stündig
gemeinsam mit StR Christoph von Ehrenstein
Sommersemester 2014 (Neuere und Neueste Geschichte)

Paul Manship Flight of Europa 1925 (Bild: cliff1066, flickr CC)„Historische Komponenten europäischer Kultur und Gesellschaft“ heißt das Thema, das der bayerische Lehrplan für den Geschichtsunterricht im ersten Halbjahr des 12. Jahrgangs festlegt. Die sperrige Leitthematik umfasst hochgradig brisante und interessante Sujets: die Grundlagen des europäischen Selbstverständnisses, die Spaltung Europas durch den Nationalismus und den neueren europäischen Verständigungsprozess.

Das Thema ist allerdings an der Schule nicht leicht zu vermitteln. Dies liegt zum einen daran, dass es die Grenzen mehrerer Epochen und Fächer überschreitet. Zudem berücksichtigen die Schulbücher den erst jüngst 2012 veränderten Themenschwerpunkt nur teilweise. Selbst die „Leitidee“ zum Lehrplan weist auf diese Vermittlungsproblematik hin: „Warum eine Beschäftigung mit diesen Epochen sinnvoll und lohnend ist, leuchtet nicht jedem Schüler unmittelbar ein.“

Die Übung nimmt dieses Desideratum ins Visier und setzt sich zum Ziel, das Thema - entsprechend den Interessen der TeilnehmerInnen - fachwissenschaftlich zu erschließen. Parallel dazu erarbeiten alle TeilnehmerInnen ein Unterrichtskonzept mit einsetzbaren Unterrichtsmaterialien, die im Seminar diskutiert werden. Sie erhalten dann die Gelegenheit (und erklären sich mit der Anmeldung auch dazu bereit), das von ihnen erarbeitete Stundenkonzept und ihre Unterrichtsmaterialien auf einer Sitzung mit Lehrern bayerischer Gymnasien zu besprechen und, in einer anschließenden kurzen Praxisphase im Wintersemester, an einem Schwabinger Gymnasium in einer Unterrichtseinheit umzusetzen. Die Materialien sollen abschließend online öffentlich zugänglich gemacht werden.

Prüfungsform im BA und mod. LA: RE

Onlinematerialien finden Sie im LMU-Team "Didaktische Praxis Europäische Geschichte" (Zugriff nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)
Kurz-URL: https://www.teams.portal.uni-muenchen.de/vibe/praxis_europa

 

Wintersemester 2013/14

 Großbritannien und die Französische Revolution

Basiskurs, 3stündig
Wintersemester 2013-14 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Gillrays Karikatur von 1793: Britische Radikale richten dem Revolutionsgeneral Dumourier einen "Staatsempfang" ausDie Erschütterungen, die von der Französischen Revolution ausgingen, suchten auch die britische Insel heim. Die Ereignisse rührten am Nerv einer Gesellschaft, die grundlegend politisiert war und die die Nachrichten aus Paris auch vor dem Hintergrund der Glorious Revolution (1688/89) und der Amerikanischen Revolution einzuordnen versuchte. Sozialer Protest und Forderungen nach politischen Reformen erhielten einen kräftigen Auftrieb; der von Aufklärern als besonders „freiheitlich“ gefeierte Staat war mit zunehmender Kritik und Unruhen konfrontiert.Sehr schnell jedoch setzten auch konservative Gegenbewegungen ein, die die Protestformen ihrer Gegner übernahmen und gegen deren radikale Ziele einsetzten. Das Seminar beschäftigt sich also mit den sozialen und politischen Verhältnissen in Großbritannien im späten 18. Jahrhundert. Zudem werden die Traditionen politischen Denkens in Großbritannien thematisiert, um zu verdeutlichen, wie religiös oder historisch legitimierte Herrschaftsansprüche und Regierungspraktiken im späten 18. Jahrhundert an Kraft verloren. Vor diesem Hintergrund wird darüber hinaus die Ereignisgeschichte erörtert: das Handeln der politischen Akteure, die Organisationsformen und Medien der politischen Lager (z.B. Karikaturen) sowie die Kampagnen der Radikalen und die Unterdrückungsmaßnahmen ihrer Gegner.

Lehramtsrelevant sind u.a. die Seminarthemen: Legitimationsgrundlagen politischer, besonders konstitutionell-parlamentarischer Herrschaft, Aufklärung, Liberalismus und Konservatismus, Menschen- und Bürgerrechte, internationale Resonanz auf die Amerikanische und Französische Revolution.

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Großbritannien und die Französische Revolution" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)

 

 

Reisen im Zeitalter der Aufklärung: Bildungs-, Forschungs- und Handelsreisen im 18. Jh.

Basiskurs, 3-stündig
Wintersemester 2013/14 (Geschichte der Frühen Neuzeit)

Italienische Poststation mit Bettlern - die Situation der 1830er Jahre war ähnlich im späten 18. Jahrhundert"Foreign travel is, of all others, the most important and essential part of education“, heißt es in einem 1764 publizierten fiktiven Dialog zwischen Lord Shaftesbury und John Locke. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert und speziell im goldenen Zeitalter der Grand Tour zwischen 1750 und 1789, wurde das Reisen in weiten Teilen der Aristokratie und des gutsituierten Bürgertums als der entscheidende Schritt betrachtet, durch den man sich für die prospektive bzw. erstrebte soziale Stellung qualifizierte: Klassische Bildung wurde durch Betrachtung historischer Orte und Ruinen vertieft, die Umgangsformen geschliffen und Kontakte mit den Eliten anderer Länder geknüpft. Die politischen Verhältnisse fremder Staaten wurden ausgekundschaftet, landwirtschaftliche und gewerbliche Techniken angeeignet, Handels- und Korrespondenznetze gestrickt, fremde Klimazonen und Naturräume erforscht. Kunstwerke und Sachobjekte wurden gekauft oder geraubt und nach Hause verfrachtet. Reisen konnte aber auch Zivilisationskritik entzünden, und Zurückkehrende wurden nicht selten als "effeminiert" und unpatriotisch geschmäht.Im ausgehenden 18. Jahrhundert kam es schließlich zur Entwicklung neuer Reise- und Wahrnehmungsformen und zur Erschließung einst als unwirtlich oder unzivilisiert geltender Reiseziele.

Die Geschichte des Reisens vertieft also den Blick auf die sozialen, politischen und geistig-kulturellen Verhältnisse im Zeitalter der Aufklärung. Diese Grundstrukturen der Epoche werden in den ersten Sitzungen überblickshaft erörtert, danach werden die verschiedenen Formen des Reisens und ihre Funktionen für Zwecke aufgeklärter Bildung, Forschung, Handel und Gewerbstätigkeit, Gesundheit und Religion thematisiert. Der Schwerpunkt des Proseminars liegt dabei auf Reisen von Briten, Deutschen und Franzosen in Westeuropa und Übersee.

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Reisen im Zeitalter der Aufklärung" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)

 

Sommersemester 2013

Das Deutsche Reich unter Bismarck (1871-1890)

Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2013 (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Vertretung: Prof. Dr. Sylvia Kesper-Biermann)

Bismarck (Mitte) und Wilhelm II.Mit der Reichsgründung 1871 war ein Ordnungsrahmen etabliert, der die Debatte um die Neuordnung der deutschen Staatenwelt zu einem vorläufigen Ende brachte. Die gegen zähe Widerstände durchgesetzte "äußere" Einheit musste jedoch zunächst im Inneren auf ein festeres Fundament gestellt, d.h. sowohl institutionell-rechtlich konsolidiert als auch kulturell verankert werden. Widerständige oder indifferente Milieus bildeten dabei ein hartnäckiges Problem. Gleichzeitig stellten die wirtschaftlichen Entwicklungen in der Ära der Hochindustrialisierung und Globalisierung, die Diplomatie im zunehmend disharmonischen Konzert der europäischen Mächte und im Zeitalter des Imperialismus das Kaiserreich vor erhebliche Herausforderungen. Das Seminar erörtert knapp die Gründung des Reichs, wendet sich dann den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Grundstrukturen sowie der Außenpolitik und den transnationalen Verflechtungen des Reichs zu und erörtert schließlich die wichtigsten Konfliktfelder und Probleme bis zum Rücktritt Bismarcks 1890.

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Zur Einführung: Beate Althammer: Das Bismarckreich 1871-1918. Paderborn 2009; Ewald Frie, Das Deutsche Kaiserreich, Darmstadt 2004 (überarb. Neuaufl. erscheint April 2013); Winfried Halder, Innenpolitik im Kaiserreich 1871-1914, 3. Aufl. Darmstadt 2011. Zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens: Nils Freytag und Wolfgang Piereth, Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten. 5. akt. Aufl. Paderborn 2011.

Onlinematerialien im LMU-Team "Bismarckreich" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)


Die Reformzeit in der deutschen Staatenwelt 1800-1820

Übung (Quellen und Forschung), 2stündig
Sommersemester 2013 (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Vertretung: Prof. Dr. Sylvia Kesper-Biermann)

Meynier, Napoleon 1806 in Berlin, c1810Unterschiedliche Gründe veranlassten Reformbürokratien und Landesherren in den ersten zwei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, Staat und Gesellschaft zu reformieren. Horrende Kriegskosten, eine darniederliegende Wirtschaft und Staatsschulden, verbunden mit Gebietsabtretungen einerseits oder der Notwendigkeit zur Integration mediatisierter Herrschaften andererseits, waren die zwingendsten Gründe. Zudem waren das Vorbild Frankreichs und aufgeklärte Ideen oft richtungsweisend für die Reformpolitik. Tätig wurden Reformer auf allen Gebieten: Heer, Verwaltung und Justiz, Verfassung und Steuern, konfessionelle und religiöse Minderheiten, Landwirtschaft und Gewerbe sowie das Bildungswesen wurden zum Ziel von Reformbemühungen. Forschungsgeschichtlich standen die preußischen (Stein-Hardenbergschen) Reformen lange im Zentrum der Aufmerksamkeit. Vergleiche mit den Reformen in den Rheinbundstaaten Württemberg, Baden und Bayern oder den napoleonischen 'Modellstaaten' Berg und Westphalen haben in neuerer Zeit hingegen ein differenzierteres Bild der Reformzeit in Deutschland hervorgebracht. In der Übung werden die unterschiedlichen Reformmaßnahmen und Reformfelder vorgestellt, die Träger der Reformen und ihre Motive erörtert sowie die Wirkungen, begrenzten Erfolge und Widerstände gegen die Reformen diskutiert.

Prüfungsform im BA und im modularisierten Lehramt: RE

Zur Einführung: Heinz Duchhardt: Freiherr vom Stein. Preußens Reformer und seine Zeit, München 2010; Walter Demel: Vom aufgeklärten Reformstaat zum Bürokratischen Staatsabsolutismus, 2. erw. Aufl., München 2010.

Onlinematerialien im LMU-Team "Reformzeit" (Zugang nur mit freigeschalteter LMU-Benutzerkennung)

 

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Wintersemester 2012/13

Aufklärung, politischer Radikalismus und Reform in Großbritannien 1760-1832

Basiskurs, 3stündig
Wintersemester 2012/13 (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Vertretung: Prof. Dr. Sylvia Kesper-Biermann)

Gillrays Republican Attack 1795 Nicht allein in Frankreich geriet die politische Ordnung im Zeitalter der Aufklärung ins Wanken, auch in dem von Montesquieu und Voltaire als besonders „freiheitlich“ gefeierten Großbritannien waren Staat und Eliten mit massiver Kritik von reformorientierten Gruppen konfrontiert. Eine Konsequenz dieses Prozesses war die Amerikanische Revolution (die mit Argumentationsmustern britischer Radikaler legitimiert wurde), eine andere Folge war die tiefgreifende Veränderung von Staat und politischer Kultur in Großbritannien. Journale und Zeitschriften erweiterten ihrer Leserschaft; öffentliche Wahlen, Demonstrationen, Vereine und Kommunikationsorte wie Kaffeehäuser banden zunehmend breitere Kreise der Öffentlichkeit ins politische Leben ein. Unter diesen Bedingungen bildete sich ein modernes Zweiparteiensystem mit relativ breiter Partizipation der Bevölkerungsschichten und einer legitimen politischen Opposition aus, das Großbritannien mit einigem Erfolg durch die sozialen Krisen des 19. Jahrhunderts steuerte.

Das Seminar beschäftigt sich also mit den sozialen und politischen Verhältnissen in Großbritannien um 1800, vom Aufkommen des organisierten Radikalismus in den 1760er Jahren bis zur großen Reformgesetzgebung von 1832. Dabei wird zum einen der Einfluss aufgeklärten Denkens thematisiert, um zu verdeutlichen, wie religiös oder historisch legitimierte Herrschaftsansprüche und Regierungspraktiken im Zeitalter der Aufklärung an Kraft verloren. Zum anderen werden das Handeln der politischen Akteure, die Organisationsformen und Medien der politischen Lager (z.B. Karikaturen) sowie die Kampagnen der Radikalen und die Unterdrückungsmaßnahmen ihrer Gegner erörtert. Lehramtsrelevant sind u.a. die Seminarthemen: Legitimationsgrundlagen politischer, besonders konstitutionell-parlamentarischer Herrschaft, Aufklärung, Liberalismus und Konservatismus, Menschen- und Bürgerrechte, internationale Resonanz auf die Amerikanische und Französische Revolution. Hinweis: Die Veranstaltung wird als Basiskurs Frühe Neuzeit angerechnet!

Prüfungsformen im BA und im mod. Lehramt: RE, KL, HA

Onlinematerialien im LMU-Team "Aufklärung, politischer Radikalismus und Reform" (Zugang nur mit freigeschalteter Kennung)

 

ProMoHist-Doktorandenkolloquium im Wintersemester 2012/13

Logo ProMoHist-PromotionsprogrammForschungskolloquium, 2stündig
organisiert in Absprache mit den ProMoHist-Doktoranden
Wintersemester 2012/13

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Für das Winterersemester 2012/13 konnten, auf Vorschlag der teilnehmenden DoktorandInnen, erneut viele Gastreferenten gewonnen werden.

Themen und Termine

 

Sommersemester 2012

„Vormärz“ und „Age of Reform“: Gesellschaft und Politik in Deutschland und Großbritannien 1815-1848

Basiskurs, 3stündig
Sommersemester 2012 (Lehrstuhl Prof. Siemann für Neuere und Neueste Geschichte)


Hoyoll, Zerstörung eines Bäckerladens (Breslau?), 1846 (Kunstforum Ostdt. Galerie Regensburg / Land NRW)Der Vormärz wird häufig als eine Periode des Reformstaus und der mühsam aufrechterhaltenen „Friedhofsruhe" charakterisiert. Dagegen steht die gleiche Ära in Großbritannien im Nimbus eines Goldenen Reformzeitalters, das in einem jahrzehntelangen wirtschaftlichen Aufschwung und einer beispiellosen Blütezeit des Liberalismus kulminierte. Fortschritt und Moderne drüben, Stillstand und Reaktion hierzulande? Bei genauerer Betrachtung stellt sich das Bild differenzierter da: Nicht selten griff auch der britische Staat hart gegen die radikale Opposition durch: Die Aufhebung der Habeas-Corpus-Akte 1817-18, die gewaltsam aufgelöste Großdemonstration in Manchester 1819 (Peterloo Massacre) und die danach verabschiedeten „Six Acts" sind dafür deutlicher Beleg. Umgekehrt gibt es Felder, in denen Deutschland verhältnismäßig erfolgreich den Weg der Modernisierung und des Interessenausgleichs beschritt. Nichtsdestotrotz blieb Großbritannien für viele deutsche Liberale ein leuchtendes Vorbild, dessen Institutionen und Verhältnisse man gerne in Deutschland realisiert hätte. Der Basiskurs beschäftigt sich daher vergleichend mit beiden Ländern und untersucht, in welcher Weise hüben wie drüben die epochalen Probleme der Industrialisierung, der sozialen Differenzierung und der politischen Emanzipationsbewegungen angegangen wurden. Dazu werden zunächst die politischen Systeme beider Länder beleuchtet. In einem zweiten Schritt werden die Grundstrukturen der Wirtschaft (Krise des vorindustriellen Gewerbes, demographische Revolution, Take off) und des politischen sowie gesellschaftlichen Lebens (Vereinswesen, Parteien) vergleichend ins Visier genommen. Dies schließt auch die nationalen Ausprägungen internationaler Bewegungen wie der des Philhellenismus ein. Abschließend kommen die zentralen historischen Ereignisse zur Diskussion, wobei sowohl auf die Abwehr der jeweils radikalsten Gegenentwürfe zum Status quo als auch auf die erfolgreich eingeleiteten Modernisierungsschritte eingegangen wird.

Heath, Political Dinner, 1821Bilder, oben: Philipp Hoyoll, Sturm auf einen Bäckerladen (Breslau?), 1846 (Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg / Land NRW). Unten: William Heath, Political Dinner, 1821 (aus: Real Life in London, Bd.1, S.385), satirische Darstellung eines von politischen und kulinarischen Leidenschaften aufgewühlten Festbanketts

Prüfungsleistungen: Referat, Klausur, Hausarbeit

Onlinematerialien in LMU Teams (Zugriff nur mit Campus-Kennung)

 

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ProMoHist-Doktorandenkolloquium im Sommersemester 2012

Logo Promotionsprogramm ProMoHistForschungskolloquium, 2stündig,
organisiert in absprache mit den ProMoHist-Doktoranden
Sommersemester 2012

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Das Programm für das Sommersemester 2012 umfasst vor allem Projektvorstellungen.

Themen und Termine

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Wintersemester 2011/12

Zwischen Wiener Kongress und Märzrevolution: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag in Deutschland 1815-1848

Basiskurs, 3stündig,
Wintersemester 2011/12 (Lehrstuhl Prof. Siemann für Neuere und Neueste Geschichte)

Der Denkerclub: Vormärzliche Karikatur zur ZensurBevor in der Märzrevolution 1848 der erste Versuch unternommen wurde, einen konstitutionellen, parlamentarischen Nationalstaat in Deutschland zu begründen, machten sich spannungsvolle Entwicklungen in Staat und Gesellschaft bemerkbar. Die Auflösung überkommener Ordnungsmuster, die Befriedung Europas und verschiedene Modernisierungsschritte leiteten eine neue Dynamik in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Deutschlands ein. Gegenläufige oder retardierende Tendenzen setzten dieser Dynamik allerdings enge Grenzen und prägen bis heute die Wahrnehmung der Epoche und des „Systems Metternich“, in dem Mächtegleichgewicht und „monarchisches Prinzip“ nicht zuletzt mittels Repression liberaler und nationalistischer Emanzipationsbewegungen aufrechterhalten wurden. Das Seminar beleuchtet sowohl die „restaurativen“ Tendenzen des Zeitalters als auch die Aufbrüche in die beginnende Moderne, die den Vormärz zu einer bewegten Epoche der deutschen Geschichte machten. Einen thematischen Schwerpunkt bildet dabei die Politik. So werden unter anderem die Gründung und Verfassung des Deutschen Bundes sowie die Verfassungsbewegungen, der Zollverein, die politischen Parteiströmungen, die Nationalbewegung sowie der bürgerhumanistische Internationalismus etwa der Philhellenen erörtert. Zudem sind das Verhältnis von Staat und Kirche sowie die gefährdete Lebenswelt bürgerlichen Engagements in einer Zeit obrigkeitlich gegängelter Vereine, zensierter Presse und Literatur sowie überwachter Universitäten wichtige Themen des Seminars. Drittens werden die sozioökonomischen Verhältnisse untersucht, wie sie mit den Stichworten Frühindustrialisierung, Krise des vorindustriellen Gewerbes, demographische Revolution, Pauperismus und Sozialprotest knapp umrissen werden können.

Onlinematerialien in LMU-Teams (Zugriff nur mit Campus-Kennung)

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ProMoHist-Doktorandenkolloquium im Wintersemester 2011/12

Logo von ProMoHistForschungskolloquium, 2stündig,
organisiert zusammen mit den ProMoHist-Doktoranden
Wintersemester 2011/12

Das ProMoHist-Kolloquium ist in das strukturierte Promotionsprogramm ProMoHist eingebunden. Das Programm für das Wintersemester 2011/12 umfasst vor allem Vorträge auswärtiger Referenten.

Themen und Termine

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Sommersemester 2011

Forum Ideengeschichte

Forschungskolloquium, 14tägig, 2stündig,
organisiert zusammen mit Eckhart Hellmuth, Iain McDaniel und Annette Meyer
Sommersemester 2011

Logo Forum IdeengeschichteDas Forum Ideengeschichte ist ein interdisziplinäres Forschungskolloquium zur Geistes- und Diskursgeschichte insbesondere der Frühen Neuzeit und der Sattelzeit 1750-1850. Es richtet sich insbesondere an fortgeschrittene Studierende und Lehrende, die auf dem Gebiete der intellectual history arbeiten. Jüngere Semester sind als Gäste jedoch ebenfalls willkommen! Unter anderem werden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert, außerdem werden auswärtige Gäste sprechen, darunter Prof. Dr. Harry T. Dickinson (Edinburgh) und William Thomas (Oxford).

Referenten, Themen und Termine

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Das britische Empire 1850-1969 in globalhistorischer Perspektive

Basiskurs/Proseminar, 3stündig
Sommersemester 2011 (Lehrstuhl Prof. Baumeister für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts)

The Queen's DominionsDas britische Empire hat die außereuropäische Welt nachhaltig geprägt: So wurden von Großbritannien aus Rechts- und Verwaltungsstrukturen, Bildungs- und religiöse Institutionen, politische Ideen, Sportarten und nicht zuletzt die englische Sprache in die ganze Welt exportiert. Industrie und Landwirtschaft der betroffenen Regionen wurden weithin auf die Bedürfnisse der Zentralmacht eingenordet. Nicht alle Aspekte der imperialen Macht entsprechen jedoch dem Schema, das eine weisunggebende Zentrale auf der einen Seite und eine fremdgesteuerte Peripherie auf der anderen Seite erkennen will: Lokale Strukturen und Dynamiken wurden nicht immer rücksichtslos ausgelöscht, sondern vielfach sogar als Machtressource ins Reich integriert. In den Einführungssitzungen des Seminars werden die politischen und sozioökonomischen Verhältnisse im spätviktorianischen und modernen Großbritannien knapp umrissen (Hochindustrialisierung, Demokratisierung, soziale Frage, sozioökonomische Krisen). Daran anschließend werden die Ursprünge und Strukturen des Kolonialreichs erörtert und die politischen Entwicklungen im Zeitalter des Imperialismus thematisiert. Im dritten Teil werden globalgeschichtliche Aspekte der britischen Kolonialherrschaft diskutiert, wobei besonders die Umweltgeschichte, die Verwissenschaftlichung und Rationalisierung von Politik und Verwaltung sowie Nationalismus und Staatsbildung ins Visier genommen werden. Zuletzt wird der Auflösungsprozess des Empires nach 1945 nachgezeichnet. Die verwendeten Quellen und Darstellungen sind englischsprachig.

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Von der Diskursanalyse zur Biopolitik: Michel Foucault für Historiker

Übung (Theorie und Methode), 2stündig
Scheinerwerb nach alter LPO I § 71 (1) Nr. 2c bzw. der neuen LPO I § 67 Nr. 2d
Sommersemester 2011 (Lehrstuhl Prof. Baumeister für Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts)

McNair Entwurf für ein Gefängnis in den 1880er JahrenMichel Foucault gilt als einer der inspirierendsten Denker der Moderne, dessen Werke neben den Literatur- und Kunstwissenschaften auch die Soziologie und Politikwissenschaften beeinflussen. In neuerer Zeit ist auch die Diskussion über Gegenstand und Methode in den Geschichtswissenschaften intensiv von der Auseinandersetzung mit Foucault geprägt worden, sodass sein Werk bei Historikern inzwischen ebenfalls „Klassikerstatus“ (Klaus Große Kracht) für sich reklamiert. Allerdings ist das von Foucault entworfene Forschungsinstrumentarium keineswegs leicht zu greifen. Mehrfache Modifikationen seiner Methodologie, eine bisweilen esoterische Begrifflichkeit und eine äußerst kontroverse Agenda kulturkritischer, politischer und philosophischer Zielsetzungen haben viel dazu beigetragen, die Rezeption seines Werkes zu verzögern. Die Übung möchte deshalb einen Überblick über die wichtigsten Forschungsangebote und -strategien Foucaults geben und erörtert daher die wichtigsten Aspekte des Foucaultschen Schaffens von der „Kritik“, „Diskursanalyse“ und „Genealogie“ bis zur „Gouvernementalität“, „Biopolitik“ und „Ethik“. Darüber hinaus werden neuere historische Forschungsarbeiten diskutiert, in denen Foucaults Methodologie zur Anwendung kommt.

Onlinematerialien auf der LSF-Webseite (Download mit Kennung und Passwort)

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Wintersemester 2010/11

Demokratisches Denken in Westeuropa in Spätaufklärung und vormärzlichem Radikalismus, 1780-1848

Karikatur zum Mainzer Freiheitsbaum 1792/93Übung (Theorie und Methode), 2stündig
Scheinerwerb nach alter LPO I § 71 (1) Nr. 2c bzw. neuer LPO I § 67 (1) Nr. 2d
Wintersemester 2010-11

Die Übung macht zunächst mit den Zielen sowie der Theorie und Methodik verschiedener Forschungsansätze der neueren Ideengeschichte bzw. „intellectual history“ vertraut. Dabei wird auch die Abgrenzung zu anderen Formen der Geschichtsschreibung wie etwa der Sozial- oder Politikgeschichte vorgenommen. In einer zweiten Arbeitsphase werden dann klassische und neuere Forschungsarbeiten zum modern-demokratischen Denken vom Standpunkt der neueren ideengeschichtlichen Methodik diskutiert. Zudem werden die Methoden der intellectual history auf Quellentexte angewendet, und zwar auf die Schriften spätaufklärerischer und vormärzlicher Demokraten. Diese sind nicht zuletzt aus dem Grunde von einigem Interesse, weil die Demokratie im modernen Sinne als Staatssystem relativ jungen Ursprungs ist und lange um Anerkennung ringen musste. Auch die Verselbstständigung modern-demokratischen Denkens nahm erst im späteren 18. Jahrhundert ihren Lauf. In Europa blieb „Demokratie“ dabei eine (im Vergleich zu anderen politischen Leitbildern) lange Zeit amorphe und exponierte Idee. Als Kernprinzip einer eigenständigen, breit aufgestellten politischen Gruppierung war „Demokratie“ im Zeitraum von 1780-1848 wenig tauglich. Selbst in der politischen Philosophie wurde „Demokratie“ nur selten systematisch und nachhaltig durchdacht, und sie blieb daher (anders als der Absolutismus oder der Liberalismus) in Europa ein Staatsentwurf ohne wirklich kanonisierten Vordenker. Die Analyse der Quellentexte soll deswegen auch dazu dienen, die Spannungskräfte freizulegen, unter denen sich frühes modern-demokratisches Denken in Westeuropa formierte.

Arbeitsmaterialien online auf der LSF-Webseite (Zugriff nur mit Campus-Kennung)

 

 

Forum Ideengeschichte

Forschungskolloquium, 14tägig, 2stündig
organisiert zusammen mit Eckhart Hellmuth, Iain McDaniel und Annette Meyer
Wintersemester 2010-11

Logo Forum IdeengeschichteDie Seminarsitzungen des Forums Ideengeschichte richten sich vorrangig an fortgeschrittene Studierende und Lehrende, die auf dem Gebiete der „intellectual history“ arbeiten. Unter anderem werden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert, außerdem werden eine Reihe auswärtiger Gäste sprechen. Jüngere Semester sind als Gäste willkommen! Zu den auswärtigen Gastrefernten im Wintersemester 2010-11 gehören u.a. Dr. Iris fleßenkämper (Münster), Dr. Till Hanisch (Genf), Dr. Istvan Hont (Cambridge) und Dr. Nicholas Phillipson (Edinburgh).

Themen und Termine

 

Sommersemester 2010

Forum Ideengeschichte

Forschungskolloquium, 14tägig, 2stündig,
organisiert zusammen mit Eckhart Hellmuth, Iain McDaniel und Annette Meyer
Sommersemester 2010

Logo Forum IdeengeschichteDie Seminarsitzungen des Forums Ideengeschichte richten sich vorrangig an fortgeschrittene Studierende und Lehrende, die auf dem Gebiete der „intellectual history“ arbeiten. Unter anderem werden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert, außerdem werden eine Reihe auswärtiger Gäste sprechen. Jüngere Semester sind als Gäste willkommen! Zu den Vortragenden im Sommersemester 2010 gehören u.a. Knud Haakonssen (University of Sussex), Richard Bourke (Queen Mary College, University of London), Gareth Stedman-Jones (King's College, Cambridge) und Angus Gowland (University College London).

Themen und Termine

 

Wintersemester 2009/10

Wissen wird Macht: Natur- und Humanwissenschaften am Ende der Aufklärung und die Neufundierung von Staat und Gesellschaft in Europa 1780-1840

Übung (Quellen und Forschung), 2stündig
Wintersemester 2009-10

Benthams PanopticonIm ausgehenden 18. Jahrhundert gerieten die europäischen Staats- und Gesellschaftssysteme unter zunehmenden Erwartungsdruck von Seiten der Öffentlichkeit. Etablierte, als gegeben hingenommene Institutionen und Praktiken gerieten in Widerspruch zum politisch-sozialen Denken der gebildeten Öffentlichkeit und wurden vermehrt kritisiert. Motor dieser Entwicklung waren in erheblichem Maße die Human- und Naturwissenschaften, wie sie sich in der Hoch- und Spätaufklärung herausgebildet hatten: Dazu zählten Wahrnehmungs- und Erkenntnistheorie, politische Ethik, Wirtschaftstheorie und -politik sowie Anthropologie und Menschheitsgeschichte, um nur die Disziplinen aufzuzählen, die Nicolas de Condorcet (1743-94) im revolutionären Frankreich auf den Lehrplan der Lyzeen setzen wollte. Die Übung erörtert in einem ersten Schritt neuere Forschungsarbeiten zur spätaufklärerisch-romantischen Wissenschaftslandschaft und ihren politischen Implikationen. Im Anschluss daran werden die erworbenen Kenntnisse durch Lektüre von Quellenauszügen vertieft. Diskutiert werden sollen Autoren wie Georg Forster, Friedrich Buchholz, Johann Gottlieb Fichte, Adam Müller, Jeremy Bentham, Dugald Stewart, Thomas Robert Malthus, Charles Fourier, Henri de Saint-Simon und Auguste Comte.

Arbeitsmaterialien online im Virtuellen Seminarraum (Zugriff nur mit Kennwort).

 

Forum Ideengeschichte

Logo Forum Ideengeschichte (M.Schmidt)Forschungskolloquium, 14tägig, 2stündig,
organisiert zusammen mit Eckhart Hellmuth, Iain McDaniel und Annette Meyer
Wintersemester 2009-10

Das Forum Ideengeschichte richtet sich vorrangig an fortgeschrittene Studierende und Lehrende, die auf dem Gebiete der „intellectual history“ arbeiten. Unter anderem werden aktuelle Forschungsprojekte vorgestellt und diskutiert, außerdem werden eine Reihe auswärtiger Gäste sprechen. Jüngere Semester sind als Gäste willkommen!

Themen und Termine

 

Wintersemester 2008/09

Reisen im Zeitalter der Aufklärung: Bildungs-, Forschungs- und Handelsreisen im 'langen' 18. Jahrhundert

Proseminar mit einer Übung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 4stündig
Wintersemester 2008/09

Phaeton des Prince of Wales 1793„Foreign travel is, of all others, the most important and essential part of education“ heißt es in einem 1764 publizierten fiktiven Dialog zwischen Lord Shaftesbury und John Locke. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert und speziell im goldenen Zeitalter der Grand Tour zwischen 1750 und 1789, wurde das Reisen in weiten Teilen der Aristokratie und des gutsituierten Bürgertums als der entscheidende Schritt betrachtet, durch den man sich für die prospektive bzw. erstrebte soziale Stellung qualifizierte: Klassische Bildung wurde durch Betrachtung historischer Orte und Ruinen vertieft, die Umgangsformen geschliffen und Kontakte mit den Eliten anderer Länder geknüpft. Die politischen Verhältnisse fremder Staaten wurden ausgekundschaftet, landwirtschaftliche und gewerbliche Techniken angeeignet, Handels- und Korrespondenznetze gestrickt, fremde Klimazonen und Naturräume erforscht. Kunstwerke und Sachobjekte wurden gekauft oder geraubt und nach Hause verfrachtet. Reisen konnte aber auch Zivilisationskritik entzünden, und Zurückkehrende wurden nicht selten als "effeminiert" und unpatriotisch geschmäht. Im ausgehenden 18. Jahrhundert kam es schließlich zur Entwicklung neuer Reise- und Wahrnehmungsformen und zur Erschließung einst als unwirtlich oder unzivilisiert geltender Reiseziele. Die Geschichte des Reisens vertieft also den Blick auf die sozialen, politischen und geistig-kulturellen Verhältnisse im Zeitalter der Aufklärung. Diese Grundstrukturen werden in den ersten Sitzungen überblickshaft erörtert, danach werden die verschiedenen Formen des Reisens und ihre Funktionen für Zwecke aufgeklärter Bildung, Forschung, Handel und Gewerbstätigkeit, Gesundheit und Religion thematisiert. Der Schwerpunkt des Proseminars liegt dabei auf Reisen von Briten sowie von Deutschen und Franzosen zwischen 1700 und 1820 in Westeuropa und Übersee. Englischsprachige Quellen und Literatur bilden den Grundstock der Seminarlektüre.

Materialien für den Grundwissenstest online auf der Seminarwebseite (Zugriff nur mit Kennwort).

 

Sommersemester 2008

Zwischen Wiener Kongress und Märzrevolution: Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag in Deutschland 1815-1848

Proseminar mit einer Übung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 4stündig
Übernahme eines von Dr. Wolfgang Piereth angekündigten Proseminars
Sommersemester 2008

Maschinenfabrik in Berlin 1847Kommentar von Wolfgang Piereth: "Mit dem Wiener Kongress beginnt die Geschichte der Gegenwart", schrieb Egon Friedell in seiner 'Kulturgeschichte der Neuzeit'. Wie die meisten Bonmots ist auch dieses überspitzt und hat doch einen wahren Kern, der im Seminar näher ergründet werden soll. Dazu betrachten wir die Epoche zwischen 1815 und 1848 aus den Blickwinkeln Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Alltag. Zu den geplanten Themen gehören beispielsweise die für Jahrzehnte folgenreiche Neuordnung Deutschlands auf dem Wiener Kongress (Gründung des Deutschen Bundes), die sich formierende Nationalbewegung (Burschenschaften, Wartburgfest, Hambacher Fest, Rheinkrise von 1840), die Unterdrückungspolitik des Bundes und v.a. des österreichischen Staatskanzlers Metternich (Karlsbader Beschlüsse u.ä.), Presse, Literatur und Zensur (z.B. Junges Deutschland oder Heinrich Heine), die Gründung des Zollvereins und die soziale Krise des Pauperismus (bekannt sind die Schlesischen Weber), Frühindustrialisierung (z.B. Eisenbahn) und erste Umweltkonflikte, das Ringen um Deutungsmacht zwischen Staat und Kirche (Kölner Kirchenstreit, Trierer Rockwallfahrt).

 

Wintersemester 2007/08

Radikalismus und Reform: Gesellschaft, Politik und Kultur in Großbritannien im Zeitalter der Industriellen Revolution, 1750-1860

Proseminar mit einer Übung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 4stündig
Wintersemester 2007/08

In der Zeit von 1750 bis 1860 vollzog sich der Aufstieg Großbritanniens zur führenden Weltmacht, Handels- und Industrienation. 1783 von den aufständischen Kolonien Nordamerikas besiegt, ging es aus dem mehr als zwanzigjährigen Krieg gegen das revolutionäre und napoleonische Frankreich siegreich hervor und baute seitdem sein Kolonial- und informelles Handelsimperium weit aus. Im Inneren führten die außenpolitischen Krisen, die politische Radikalisierung weiter Bevölkerungskreise und die Folgen der Industrialisierung zu enormen Spannungen, die sich immer wieder in Unruhen, Aufständen und Maschinenstürmen entluden. Seit 1848 aber präsentierte sich Großbritannien - darin fast einzigartig in Europa - als eine liberale, politisch stabile und dabei ökonomisch und politisch durchgreifend modernisierte Nation. Das Seminar beschäftigt sich mit den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur, die zu diesem Zustand führten. Neben den großen Reformdebatten in der Politik und den intellektuellen Veränderungen im Übergang zur Romantik und zum nachaufklärerischen Rationalismus werden Themen wie die Landflucht, Industrialisierung, die Wandlungsprozesse in den Handelsstrukturen und die Veränderungen in den Lebensverhältnissen erörtert. Quellen und Forschungsliteratur sind englischsprachig.

 

Lektürekurs zur Vorlesung "Von Locke bis Burke. Der politische Diskurs im England des 18. Jahrhunderts"

Der Radikale Richard Price wird mitternächtlich durch die visionäre Erscheinung des Konservativen Edmund Burke aufgeschreckt (Detail einer Karikatur 1790)Übung, 1½stündig (plus separater Klausurvorbereitungssitzung)
Wintersemester 2007/08

Der Lektürekurs ist als Begleitkurs zur Vorlesung von Prof. Dr. E. Hellmuth am Dienstag konzipiert, kann nach Absprache aber auch unabhängig davon besucht werden (ein Übungsschein kann leider nicht erworben werden, da die Übung nicht zweistündig ist). Gelesen und erörtert werden Ausschnitte aus den zentralen politischen Schriften etwa von John Locke, Bolingbroke, Joseph Addison, David Hume, Adam Smith, Edmund Burke und Thomas Paine. Zudem werden neuere Forschungsarbeiten zum Thema diskutiert. Eine zusätzliche Sitzung ist der Vorbereitung der Zwischenprüfung gewidmet.

 

Sommersemester 2007

'The Empire at Home': Großbritannien und sein Empire vom Zeitalter des Imperialismus bis zur Dekolonialisierung, 1830-1975

Proseminar mit einer Übung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 4stündig
Sommersemester 2007

Bank von England und Börse 1887 (cgfa)Das britische Empire hat die Welt außerhalb Europas nachhaltig geprägt. Von Großbritannien aus wurden Rechts- und Verwaltungsstrukturen, Industrien und landwirtschaftliche Anbaumethoden, das Bildungswesen, politische Ideen, Kultur und nicht zuletzt die englische Sprache in die ganze Welt exportiert. Doch auch auf Großbritannien selbst wirkten die Dynamik der Expansion und die Entwicklungen in den Kolonien auf vielfältige Weise zurück. Genau diese Verflechtungen des Zentrallandes mit dem Kolonialreich stehen im Zentrum des Proseminars. Zunächst werden die sozioökonomischen und politischen Entwicklungen im viktorianischen und modernen Großbritannien untersucht (Hochindustrialisierung, Demokratisierung, soziale Frage, Krisen des frühen 20. Jhs.) und die Faktoren herausgearbeitet, die zum Aufbau eines “Zweiten Empires” führten. Darauf aufbauend werden die globalen und kolonialpolitischen Entwicklungen im Zeitalter des Imperialismus vor allem anhand der Beispiele Irlands und Indiens beleuchtet. Dabei werden auch die Einflüsse, die vom Kolonialreich auf den britischen Staat, die Gesellschaft, die Lebensgewohnheiten und das Denken der Briten ausgingen, reflektiert. Zuletzt wird der Auflösungsprozess des Empires nach 1945 und der Verlauf der Dekolonialisierung nachgezeichnet. Die Quellen und Darstellungen sind durchgehend englischsprachig.

 

Wintersemester 2006/07

'Liberté ou la mort': Sterben, Tod, Kult und Gedenken im Zeitalter der Französischen Revolution (1750-1850)

Übung, 2stündig
Wintersemester 2006-07

Regnaults Freiheit oder Tod (1794, Hamburger Kunsthalle)Wie in kaum einer anderen Zeit wandelte sich im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert die Auffassung vom Tod. Dadurch veränderte sich auch die Einstellung des Menschen zu sich selbst und zum Leben. Insbesondere in Kunst und Literatur fand dieser Wandel Ausdruck, so etwa in Romanen wie Rousseaus Nouvelle Héloïse (1761) oder Dramen wie Gerstenbergs Ugolino (1769). Lessing forderte in seiner Schrift Wie die Alten den Tod gebildet (1769) eine neue Repräsentationsweise des Todes abseits barocker Schreckensbilder. Philosophie, Religion und die Wissenschaften trugen wesentlich zur Auseinandersetzung mit dem Thema bei. Überkommene religiöse Denkmuster verloren an Plausibilität und wurden ins scheinbar 'Säkulare' gewendet. Staat und Gesellschaft reagierten hochgradig sensibel auf diese Prozesse und entwickelten neue Strategien, um Traditionsbezüge zu begründen, Erinnerungsgemeinschaft zu stiften und politischen Entscheidungen und Handlungen Sinn zu geben. Insbesondere die Revolution entwickelte eigene Zeremonien des Totenkults und zelebrierte den Heldentod in Bildern wie Jacques-Louis Davids Tod des Marat (1793). Auch im 19. Jahrhundert blieb die Todesthematik allgegenwärtig, wurde das Bildrepertoire beständig modifiziert und erneuert. Thema der Übung ist also der Wandel der Todesauffassung und -repräsentation in der Sattelzeit von etwa 1750 bis 1850. Dabei werden vor allem die vielfältigen Diskurse in Politik und Kultur analysiert und die unterschiedlichen Medien vom Bild bis zum Begräbnisritual beleuchtet. Die Übung vermittelt Grundkenntnisse in der Bildanalyse. Im Zentrum aber stehen die Lektüre und Interpretation des historischen Text- bzw. Bildmaterials sowie der modernen Forschungsarbeiten zum Thema.

 

Wintersemester 2005/06

Vom Imperialismus zur Dekolonialisation: Das britische Empire, 1850-1965

Übung, 2stündig
Wintersemester 2005-06

Werbung für Kolonialwaren 1931Das britische Empire war eines Weltreiche, die die Moderne nachhaltig prägten. Die ökonomischen, politischen und soziokulturellen Umwälzungen im britischen Machtgebiet sind daher immer noch Gegenstand zahlreicher Debatten in Forschung und Öffentlichkeit. Verklärungen des „Land of Hope and Glory“, aber auch einseitige Schuldzuweisungen für die Probleme, die der Kolonialismus erzeugte, sind dabei in jüngerer Zeit weithin aufgegeben worden. Die neuere Forschung (u.a. postcolonialism, subaltern studies) nimmt beispielsweise die neuen Eliten der Kolonien nicht mehr nur als ‚Kollaborateure‘ wahr, sondern erforscht die Denkmuster, mit denen sie ihr Handeln legitimierten. In ähnlicher Weise werden die in den Kolonien aufkommenden Nationalbewegungen nicht mehr ausschließlich als Gruppierungen des Widerstands betrachtet, sondern auch daraufhin analysiert, wie sie Ideen und Handlungsmuster der Kolonialmacht übernahmen und weiterentwickelten. Solche Perspektiven werden in der Übung aufgegriffen. Ihr Thema ist die Hochphase des Imperialismus und der Auflösungsprozess des Empires nach 1945. Erörtert werden einerseits die Faktoren, die zur Festigung des Kolonialreichs beitrugen (z.B. die Integration neuer Eliten ins Empire), andererseits die Ursachen und der Verlauf der Dekolonialisierung. Außerdem wird mit Blick auf Großbritannien diskutiert, welche Einflüsse die Kolonien auf die Lebensgewohnheiten und das Denken der Briten hatten. So wird u.a. auch nach den öffentlichen Ritualen und Debatten gefragt, durch die das Image und der Mythos des Empires geschaffen wurden. Eine zentrale Frage wird zudem sein, ob der Prozess der Dekolonialisierung krisenhaft und erzwungen war oder auf lang zurückreichenden politischen Traditionen basierte.

 

Sommersemester 2005

Sozialutopien und kulturelle Bewegungen im spätviktorianischen Großbritannien: Arts and Crafts, Ästhetizismus und Klassische Moderne, 1860-1930

Übung, 2stündig
Sommersemester 2005

Illustration von Burne-Jones für William Morris' "Dream of John Ball" 1888Um 1880 brach das soziale und kulturelle Fundament, mit dem Großbritannien die Herausforderungen der napoleonischen Kriege, der Frühindustrialisierung und der Reformära des frühen 19. Jahrhunderts erfolgreich bewältigt hatte, teilweise zusammen. Die landbesitzende Aristokratie wurde von Agrarkrisen erschüttert, Staatskirche und Nonkonformismus verloren schlagartig Einfluss und Mitglieder, und im Wettbewerb mit den erstarkten Nationen des Kontinents breitete sich Furcht vor dem ökonomischen und kulturellen Niedergangs Großbritanniens aus. Die Suche nach angemessenen Reaktionen und der Diskurs über die zeitgenössischen Probleme fand großteils im Bereich der Literatur und bildenden Kunst statt. Sowohl in der Arts-and-Crafts-Bewegung, dem Ästhetizismus und Modernismus, wie auch in teilweise entgegengesetzten 'Lagern' wie dem Akademismus und dem "efficiency movement" wurden Utopien entwickelt und Handlungsmuster erprobt, die zur Lösung der Krise der Moderne beitragen sollten. Die Übung vermittelt zunächst einen Überblick über die politischen und sozialen Entwicklungen im spätviktorianischen und modernen Großbritannien. Danach wird untersucht, welchen Beitrag Kunst und Literatur zur Neuorientierung der britischen Gesellschaft um 1900 leisteten. Im Vordergrund steht dabei die Interpretation zeitgenössischer politischer Traktate, Künstlermanifeste, Kunstwerke sowie literarischer Arbeiten.

 

Wintersemester 2004/05

Von der 'Patriotischen Landschaft' zur 'Heimatkunst': Konstruktionen des 'Nationalen' in Kunst und Kunstkritik des 18. und 19. Jahrhunderts

Übung, 2stündig
Wintersemester 2004-05

Friedrich Hünengrab im Schnee 1807Über viele Jahrhunderte – z.T. bis heute – zählten Kunstwerke zu den bevorzugten Objekten, mit denen die vermeintliche Größe und Überlegenheit eines Herrschers, eines politischen Systems oder einer Nation sinnfällig zu machen versucht wurde. Viele Betrachter und Kunsttheoretiker teilten diese Perspektive und machten sich daran, angebliche nationale Wesenseigenschaften, die Zukunft oder den moralischen, psychischen oder gar ‘rassenbiologischen’ Zustand einer Nation aus Kunstwerken abzulesen. Obwohl solche Ideen schon von vielen Zeitgenossen beargwöhnt oder als unseriös betrachtet wurden, fanden sie ein Massenpublikum und stießen auf breite Resonanz im politischen Diskurs – und dies nicht nur in konservativ-kulturkritischen Milieus. Die Übung vermittelt einen Überblick über zentrale Positionen und Argumentationsmuster des kulturnationalistischen Denkens und dessen Veränderung im Zeitverlauf. Im Zentrum stehen vor allem Texte des 19. Jahrhunderts (u.a. J. Langbehn, M. Nordau – J. Ruskin, W. Morris), in denen solche Kulturdeutungen vorgenommen wurden und zum Teil als ästhetische Programme für die bildende Kunst entfaltet wurden. Darüberhinaus sollen auch Gemälde und Graphiken, die auf entsprechende Vorstellungen reagierten oder dafür herangezogen wurden, analysiert werden: Neben der lange maßgeblichen Historienmalerei spielte dabei auch die Landschaftsmalerei eine wichtige Rolle. Ausblick und Schlusspunkt bilden die “Große deutsche Kunstausstellung” und die Ausstellung “Entartete Kunst” 1937 in München.

 

Sommersemester 2004

'An Age of Reform': Politische Ideen, politische Parteien und Reformpolitik in Großbritannien, 1790-1906

Proseminar mit einer Übung zur Technik des wissenschaftlichen Arbeitens, 4stündig
Sommersemester 2004

Streikversamllung in den Salford Docks 1907Die Industrialisierung und das verhältnismäßig reformfähige politische System machten Großbritannien im 19. Jahrhundert auf vielen Gebieten zum Vorreiter, Schrittmacher und Vorbild für große Teile Europas und der Welt. Anders als vielen kontinentalen Gesellschaften gelang es den Briten dabei, die tiefgreifenden sozialen Veränderungen weitgehend ohne gewaltsame Konflikte und irreparable Spaltungen der Gesellschaft zu bewältigen. Das Seminar beschäftigt sich mit den Ursachen dieser relativ starken Modernisierungsfähigkeit und Stabilität Großbritanniens. Dabei werden zum einen die grundlegenden Herausforderungen der Epoche untersucht, die insbesondere von der Industrialisierung und der zunehmenden Politisierung weiter Bevölkerungsschichten ausgingen. Im Zentrum des Seminars steht darüberhinaus aber die ‘Verarbeitung’ dieser Probleme im politischen System Großbritanniens: Wie nahmen Zeitgenossen die Probleme der Epoche wahr, mit welchen politischen Konzeptionen reagierten sie darauf und wie verständigten sie sich über notwendige politische Entscheidungen? Neben den großen Reformdebatten und den dramatischen Veränderungen in der Parteienlandschaft der Epoche (Niedergang des Liberalismus, Aufstieg der Labour Party) sollen dabei etwa auch die Rolle der Monarchie, der Aristokratie, die Frage des Frauenwahlrechts und die antimodernistischen Utopien im Radikalismus und im Toryismus angesprochen werden.

 

Wintersemester 2003/04

Bild und Geschichte: Bilder als historische Quellen

Übung, 2stündig,
Scheinerwerb nach LPO I § 71 (1) Nr. 2c)
Wintersemester 2003-04

Grande Galérie in VersaillesHistoriker haben sich in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten zunehmend visuellen Materialien zugewandt. Grund dafür ist nicht zuletzt der Sachverhalt, dass die soziale Kommunikation in der Neuzeit zu einem wesentlichen Teil mit Graphiken und Gemälden - etwa Karikaturen, Historienbildern oder wissenschaftlichen Illustrationen - bestritten worden ist. Die weit verbreitete Auffassung, ein im Bild dargestellter Inhalt "spiegele" unmittelbar reale Verhältnisse, wird von Kunsthistorikern allerdings zurecht als vereinfachend zurückgewiesen. Die Übung macht deshalb mit verschiedenen Ansätzen der Bildinterpretation vertraut, wie sie z.B. in der Ikonologie, der Semiotik, der Medien- und Bildwissenschaft sowie der 'Historischen Bildforschung’ verwendet werden. Dabei werden insbesondere auch die technischen, geistesgeschichtlichen und sozialen Bedingungen der Produktion und Rezeption von Bildern ins Visier genommen. Im Zentrum steht die Lektüre neuerer Arbeiten, in denen Bilder als historische Quellen verwendet werden, und die Interpretation des entsprechenden historischen Bildmaterials.


2 Wochen undergraduate teaching im Department of History, Edinburgh University, im Rahmen des EU ERASMUS Dozenten-Austauschprogrammes (April-Mai 2001).