Geschichte der Frühen Neuzeit
print


Navigationspfad


Inhaltsbereich

Funck, Johann

(1518-1566)

Johann Funck [auch Funcke, Johann oder Funccius, Johan] (* 7. Februar 1518 in Wöhrd (bei Nürnberg), † 28.Oktober 1566 in Königsberg) beendete seine Studien in Wittenberg 1539 mit dem Magister. Er war als Pfarrer in Seyda, Oschatz und Wöhrd tätig. Durch das Herannahen der kaiserlich Truppen im Schmalkadischen Krieg 1547 verließ er seine Stelle und wurde schließlich vom Rat entlassen. Mit einem Empfehlungsschreiben von Veit Dietrich begab er sich zu Herzog Albrecht von Preußen nach Königsberg, der ihn nach Litauen sandte. Nach seiner baldigen Rückkehr wurde er mit der interimistischen Verwaltung des Pfarramts an der Altstädtichen Kirche beauftragt. 1549 erhielt Andreas Osiander das Altstädtische Pfarramt und Funck wurde zum Hofprediger. Er gehörte mit Osiander und Andreas Aurifaber zu den Günstlingen des Herzogs. Die Lehre Osianders brachte ihn aber auch in Gegensatz zu der großen Mehrheit der preußischen Pfarrer, die auf einen erheblichen Schlag gegen die Osiandristen von Seiten Polens hofften. Nach Osianders Tod und seinem wachsenden Einfluss auf den Herzog, richtete sich die gesamte Verachtung auf Funck, den man schließlich zu einem Widerruf auf der Synode zu Riesenburg 1556 bewegen wollte. Herzog Albrecht sagte ihm dafür erhöhte Gunst zu. Der Widerruf blieb vorerst aus. 1563 musste er ihn jedoch leisten, womit sich seine kirchlichen und politischen Feinde nicht mehr zufrieden gaben. Nachdem die anderen Osiandristen Stalich, Vogel und Johann Aurifaber das Land verlassen hatten, und Andreas Aurifaber bereits gestorben war, zog man Funck als Hauptverantwortlichen heran. Die Stände verlangten das Eingreifen der Krone Polen, die Kraft ihrer oberherrlichen Rechte eine Untersuchungskommission im August 1566 nach Königsberg sandte. Funck wurde, mit den Räten Schnell und Horst zu Tode verurteilt. Die Hinrichtung wurde im Kneiphöfischen Markt vollzogen.

Zum Werk

Funcks "Chronologia" und das zugehörige "Commentarium" gehört zu den am häufigsten zitierten historisch-chronologischen Tabellenwerken des 16. Jahrhunderts. Sich in der Tradition der Ordnung der frühen Drucke der Eusebius-Chronik befindend, geht Funck v.a. durch die Einbindung chronologischer Erkenntnisse der neuen Astronomie Nicolaus Copernicus' neue Wege. Copernicus war Funck über seinen Freund Osiander bekannt, der 1543 dessen Hauptschrift "De revolutionibus orbium coelestium, libri IV" in Nürnberg herausbrachte. Diese Innovation machte das Funcksche Tabellenwerk für viele Jahre zur zuverlässigen Referenz.

Die "Chronologia" beginnt zunächst im narrativen Stil und erzählt die Schöpfung der Welt und des Menschen, den Sündenfall, das Evangelium, Kain und Abel, Enoch usw. Dann, ab Fol. 2 (A 2), beginnt er mit Genesis Quinto in einer Spalte die Zeitzählung der Anni Mundi mit dem Jahre 130 (Geburt des ersten Sohnes Seth); mit dem Tod Adams (930 Jahre) wird eine Altersliste der lebenden Patriarchen aufgestellt. Im AM 1656 stribt Methusalem (965 Jahre), nach dessen Tod soll Noah die Arche bauen — dann die Epochenmarke Diluvium. Hier wird eine Anweisung an den Leser eingeschoben, die erklärt, dass die Zeilen zu eng seien (linearum angustiis) um viel darzustellen und daher nur ein kleiner Text (libello) eingesetzt wird. Ein *-Zeichen steht immer dann in der Marginalie, wenn es im "Commentarius" eine ausführlichere Erklärung gibt. Ab fol. 3v beginnt dann die Tabelle mit zunächst drei Spalten, ab der Einführung der Geschichtsreihe des assyrischen Reiches werden dann immer mehr Spalten für jede neu entstehende Kultur eingeführt. In der Tabelle werden die Jahreszahlen der Regierungen abgezählt und dann in die sehr kleinen Zellen die jeweiligen Ereignisse eingetragen.

Ein Beipiel der Kommentierpraxis: Im Jahr AM 2199/2200 steht in der Spalte "Patrum": "IACOB erat annorum 91. cum ei nasceretur filius ex Rachel, quem vocavit IOSEPH". Anscheinend ist diese Angabe zu kurz für Funck, denn im Kommentar heißt es zur entsprechenden Stelle: AM 2200: "IACOBUM Patriarcham annorum nonaginta unius fuisse diximus, cum ei nasceretur filius IOSEPH ex RACHEL: quum vero mentio istius aetatis Iacob in sacris nulla sit verbis facta expressis, ita ut quis haesitare hoc loco possit, breviter pro confirmatione hec annotare placuit. Ioseph erat triginta annorum cum staret coram Pharaone liberatus ex carcere, Gene. 44. His accedunt septem anni fertilitatis, deinde duos famis. Dicit enim Ioseph ad fratres suos: Adhuc quinque anni residui sunt famis &c. Gene. 45. Fuit ergo Ioseph in descensu Israelis in Aegyptu. annorum. 39. Sed Iacob à Pharaone interrogatus, quot annorum esset. respondit centum & triginta annorum sunt dies peregrinationis vitae meae. Quibus si ademeris triginta novem aetatis Ioseph, remanent nonaginta unus, quot annorum fuisse Iaconum diximus." Funck will also mehr über die Josephsgeschichte erzählen als nur das, dass er geboren wurde und der Sohn von Jakob und Rachel war. Man erhält allerdings auch weitere Informationen über das Leben Josephs: 2230 ist Joseph 30, heißt es, und er wird aus dem Kerker befreit und wird ägyptischer Prinz; mit diesem Jahr werden auch die sieben fruchtbaren Jahre extra abgezählt, also bis 2237, dann Beginn von sieben Jahren Hunger — hier wird auch festgehalten, dass Jakob 130 Jahre alt war als das israelische Volk nach Ägypten kam. Auch zwei Quellen werden erwähnt — an dieser Stelle wird übrigens mit einem Zeichen "+" auf eine andere Spalte verwiesen, um die Geschichte Isaaks und Esaus einzufügen und benutzt dafür den leeren Platz in der Spalte der Assyrer. Der Kommentar ergänzt an dieser Stelle als garnicht so viel: Er erzählt es aber an einem Stück und man muss sich durch die Tabelle den Gang der einen Josephsgeschichte selbst heraussuchen, was als etwas umständlich gelten konnte.

Bei Christi Geburt ist natürlich auch ein Sternchen eingetragen: Denn es steht hier schließlich nur in der Tabelle: "IESUS CHRISTUS HOMO NATUS" — dann beginnt die Spalte Anni Chri. — das ist das Jahr A.M. 3962, so schaut man im Kommentar: Hier beginnt auch ein neues Kapitel: "Finis antiqui seculi" und es wird ausführlich über dieses Ereignis mit der bekannten Evangeliumsgeschichte kommentiert: "Anno urbis Romae 751. iam incipiente, Herodis vero Iudaeorum regis 34. postquam [?] Antigonus pepulerat: census primus actus est in Syria sub Cyrenio, de quo Lucae 2. Eodem anno cum Ioseph & Maria venissent in Bethleem Iuda, ut censerentur, IESUS CHRISTUS FILIUS DEI ALTISSIMI, VERSUS DEUS ANTE OMNIA SECULA EX DEO PATRE GENITUS, ET VERUS HOMO, ASSUMPTA CARNE EX MARIA VIRGINE, IN HUNC MUNDUM NATUS EST, Hoc est benedictu, illud SEMEN, quod caput serpentis contrivit, & nos ab aeterno eius morsu liberavit. Gen. 3, Matthaei 1. Lucae 2. Ioan. 1 Isaiae 7. & 9. &c." Die Geschichte wird dann weiter über zwei Seiten ausführlich erzählt.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Chronologia || hoc est. || Omnium temporum et || annorum ab initio mundi usque || ad resurrectionem Domini nostri Jesu Christi, || computatio. || In qua methodice enumerantur omnium populorum, Regnorumque memorabilium || origines ac successiones. Item omnes eorum Reges, quando quisque coeperit, quam || diu regnarit, quid memoria dignum gesserit. Quique [?] eodem tempore simul diversis locis imperarint. Quis status populi Dei fuerit. Ac quemadmodum summum im || perium ab uno populo ad alterum sit translatum, donec tandem omnia Romanorum || potentiae sunt subiecta. Et si qui viri illustres, quae facinora egregia, ac si quid amplius memoratu dignum extitit, ea omnia breviter suis locis referuntur. || Suntque in hac computatione omnia tempora, tum ex Sacris Biblijs, cum ex || optimis quibusque autorib. historicis, & Astronomorum observatio- || nibus summa fide ac diligentia coniliata. || Item commentariorum liber unus. Nürnberg: Georg Wachter, 1545. > zur digitalisierten Teiledition
  • Commenta- || riorum in praece- || dentem chronologiam, || Liber unus. || In quo cum ordinis in eodem opere observati, suis locis ratio || argumentis probabilibus redditur: tum difficilia quae- || dam sacrosanctae scripturae loca, utpote quae remota || diligenti temporum computatione, satis digne nun- || quam enarrari possunt, commode explicantur. || Adiunctis obiter iis Historiis, quae in ipso || χρονολογίας opere asscribi nequiverunt, || veruntamen ad declarationem isti- || usmodi locorum summe vide- || bantur necessaria. Nürnberg: Georg Wachter, 1545. > zur digitalisierten Teiledition
  • Chronologia || hoc est || omnium temporum || et annorum ab initio mundi, usque ad || hunc praesentem a nato Christo annum M.D.LII. computatio. || In qua methodice enumerantur omnium populorum, Regnorum- || que memorabilium Origines ac successiones. Item omnes eorum || Reges, quando quisque caeperit, quam diu regnarit, quid dignum || memoria gesserit. Quis status populi Dei fuerit. Ac quem- || admodum translata sint Imperia a Populo in Popu- || lum &c. Et si qui viri illustres, quae facinora egre- || gia, ac si quid amplius memoratu dignum || extitit, ea omnia breviter suis locis || referuntur. || Suntque in hac computatione omnia || tempora, tum ex Sacris Biblijs, cum ex optimis quibusque autori- || bus Historicis, & Astronomorum observationibus, || summa fide ac diligentia coniliata. || Item commentariorum in praecendetem chronologiam libri || decem, in quibus quid tradatur || proprio titulo indicatur. Königsberg, 1552. > zur digitalisierten Teiledition

Weiterführende Literatur:

  • Art. Funck, Johann. In: NDB, Bd.19. S. 608.
  • Bautz, Friedrich Wilhelm: Art. Funck, Johann. In: BBKL, Band II (1990). Spalten 154—155.
  • Möller: Art. Funck, Johann. In: ADB Bd.8. S. 197f.
  • Theobald, Leonard: Die Katechismusauslegung des Johann Funck von 1542. In: ZBKG 12, 1937. S. 193ff.


© Redaktion Tabellenwerke