Geschichte der Frühen Neuzeit
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Köhler, Johann David

(1684-1755)

Johann David Köhler [auch Köler] (* 18. Januar 1684 in Colditz an der Mulde (Sachsen), † 10. März 1755 in Göttingen) wurde zunächst von seinem Vater und dann an der renommierten Fürstenschule zu Meißen erzogen. In Wittenberg studierte er Philologie und Geschichte, nicht Theologie, wovon ihn die hier herrschenden Streitigkeiten um den reformerischen Pietismus abhielten. Hier stand er vor allem unter dem Einfluss des bekannten Polyhistors Konrad Samuel Schurzfleischs, der dort seit 1680 die Ehrenprofessur für Geschichte innehatte. 1704 erhielt er seinen Magister. 1706 fühlte er sich durch die kriegerischen Ereignisse dazu gezwungen Sachsen zu verlassen, verlieb dann jedoch in der Universitätsstadt Altdorf. Nachdem er 1707 als Präses sein Speciem Archael. Rom. gemacht hatte, hielt er bald auch Vorlesungen über die gelehrte Historie und Römische Altertümer las. Hier erhielt er durch den Geschichtsprofessor Moller seine Kenntnisse in der Numismatik. 1708 ging er als Begleiter des Barons von Stralenheim, des schwedischen Ministers und Bevollmächtigten der schlesischen Religions-Werke, zuerst nach Regensburg, dann nach Zweibrücken. Er sollte für diesen die lateinische Korrespondenz mit dem Wiener Hof übernehmen. In Zweibrücken machte Köhler die Bekanntschaft mit dem Geschichtsprofessor Johannis. 1710 erhielt er den Ruf für eine ordentliche Professur der Logik an der Universität Altdorf, 1714 übernahm er dort nach Mollers Tod die Professur für Geschichte. 1726 wurde Köhler in die Königlich Preußische Societät der Wissenschaften aufgenommen. Nach verschiedenen Rufen, sagte er schließlich 1735 der Universität Göttingen zu, wo er bis zu seinem Tode unterrichtete. Seine Verdienste liegen im Bereich der Chronologie und Münzkunde. Seine "Historische Münz-Belustigung" ist ein grundlegendes Werk. Der erste Teil wurde 1729 herausgegeben. Nach seinem Tode gab Gatterer den 22. Teil dieses umfassenden Werkes heraus. Außer der Universalgeschichte ist er auch noch der Verfasser einer "Genealogischen Geschichte der Herren und Grafen von Wolfstein" (1726) und eines bekannten Geschichtslehrbuch, des "Orbis terrarum in nuce, sive Compendium historiae civilis chronologicum in sculptura memporiali", welches 1722 auf Latein und in den darauffolgenden Jahren mehrmals in deutscher Übersetzung erschien.

Zum Werk

Köhlers Tabellenwerk ist eine in Jahrtausende und Jahrhunderte untergliederte Geschichtsdarstellung deren Kategorien wesentlich der u.a. von Keckermann vorgeschlagenen Aufteilung in Sakral-/Bibel-, Profan- und Literargeschichte folgt.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Chronologia || historiae universalis || ab orbe condito || ad || nostra usque tempora || tabulis distinctis || XXVII. || descripta || aucta et recognita. Nürnberg: Christoperus Riegelius 1736. > zur digitalisierten Vollversion

Weiterführende Literatur:

  • Art. Köhler, Johann David. In: NDB Bd. 12. S. 316.
  • Bader, Karl: Lexikon deutscher Bibliothekare. 1925. S. 359.
  • Jöcher, Christian Gottlieb: Allgemeines Gelehrten-Lexikon. Fortsetzungen und Ergänzungen von J.C. Adelung. Bd. 3. 1810.
  • Nicklas, Thomas: Johann David Köhler (1684—1755), Historiker. In: Fränkische Lebensbilder 16 (1996). S. 79—93.
  • Nicklas, Thomas: Der Historiker Johann David Köhler (1684—1755) und die Geschichte des gräflichen Hauses Wolfstein. In: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 135 (1995). S. 77—83.
  • Wegele, Franz Xaver von: Art. Köhler, Johann David. In: ADB Bd. 16. S. 442 f.


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