Geschichte der Frühen Neuzeit
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Mercator, Gerhard (van Rupelmonde)

(1512-1594)

Gerhard Mercator [latinisiert aus Gerard De Kremer] (* 5. März 1512 in Rupelmonde (Flandern), † 2. Dezember 1594 in Duisburg) ging bei der Bruderschaft des Gemeinen Lebens in Herzogenbusch zur Schule. Vermutlich auf den Rat seines Lehrers Georg Macropedius studierte er daraufhin an der Universität von Leuven. Schon bald erteilte er Privatunterricht in Mathematik. Außerdem hatte er sich auf die Kunst des Kupferschnittes spezialisiert. Darin war er so gut, dass der Werkzeughersteller Gaspard van der Heyden ihn ganz oder teilweise mit der Anfertigung der Kupferplatten für den neuen Erden- und Himmelsglobus von Rainer Gemma Frisius beauftragte. Beide Werke, die ungefähr um 1537 erschienen, sind die ältesten von Mercator bekannten. Außerdem war er der erste der die Kursivschrift 'italic' auf Landkarten verwendete. Diese Inovation verbesserte die Optik der Karten beträchtlich, so dass es bis in das 19. Jahrhundert hinein üblich blieb, Namen auf Karten in kursiver Schrift zu schreiben. Im Jahr 1541 setzte er seine Arbeit mit einem Erden-Globus fort, den er dem Granvelle, Kanzler des Deutschen Reiches widmete. Da er Probleme mit den Behörden und der katholischen Kirche hatte und der Ketzerei beschuldigt wurde, wurde er 1544 sogar für mehrere Monate eingekerkert. Trotz zahlreicher Bemühungen durch seine Frau und der Universität kam es zu weiteren Verwicklungen. Schließlich wurde er freigelassen, die Motive seiner Freilassung bleiben unklar. 1551 folgte als Gegenstück zum Erden-Globus, ein Himmels-Globus, den er dem Fürstbischof von Lüttich, Georg von Österreich widmete. Durch seine Bekanntschaft mit dem Kanzler wurde er Kaiser Karl V. empfohlen, für den er mehrere Aufträge ausführen durfte. Auf Grund mehrerer harmloser Andeutungen in seinen Werken, machte er die Inquisition als Anhänger der Reformation auf sich aufmerksam. Daraufhin zog Mercator, der eigentlich deutscher Abkunft war, 1552 mit seiner Familie in das protestantische Duisburg. Dort machte er die Bekanntschaft mit den Brüdern Walter und Johannes Ghymm. Letzterer, Bürgermeister von Diusburg, gründete mit Hilfe Mercators ein Gymnasium, an welchem er von 1559 bis 1562 Geometrie, Mathematik und Kosmologie lehrte. Außerdem unterrichteten dort die Gelehrten Otho, Molanus und Castritius. Von Letzterem wurde Mercator am Klevischen Hof des Protestantismus bezichtigt. Die Schule konnte diesem Schlag nicht standhalten. Etwa um 1563 wurde er zum Kosmographen des Herzogs Wilhelm von Jülich ernannt. Er schuf die erste Europakarte (1562) und das erste Kartensammelwerk, den Atlas ("Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura", 1595). Mit dem Erscheinen seiner Wandkarte von Europa von 1554 wurde das schon lange überholte Ptolemäische Weltbild weitgehend korrigiert. Die gegenseitige Position der Europäischen Länder ist zum ersten Mal korrekt dargestellt. Auf dem Gebiet der Nautik erlangte er mit seiner Seekarte "Nova et aucta orbis terræ descriptio ad usum navigantium emendate accomodata" Weltruhm, die winkeltreue Kartenprojektion ist nach ihm, Mercator-Projektion benannt.

Zum Werk

Die "Chronologia" Mercators ist weniger eine Tabellengeschichte als ein Werk zur technischen Chronologie. Es beinhaltet neben zwei Tabellen — eine stellt eine Evangelienharmonie dar, die andere ein historisch annotierter Synchronismus — auch mehrere hundert Seiten Textteil, der von theoretischen Überlegungen über die Zeit handelt. Einzuordnen ist die "Chronologia" innerhalb Mercators grossem Gesamtprojekt der Kosmologie, während es sich innerhalb der Disziplin der Chronologie auch im gelehrten Kontext der Mathematiker (Gemma), Astronomen (Copernicus) und Philologen (Scaliger) befindet.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Chronologia || hoc est, || Temporum de- || monstratio exactissima, ab || initio mundi usque ad annum domi- || ni M. D. LXVIII. ex eclipsibus et observationinus astronomi- || cis omnium temporum, sacris quoq. Biblijs, & optimis quibusq. Scri- || ptoribus summa fide concinnata. Köln: Birckmann, 1569. > zur digitalisierten Vollversion
  • Evangelicae Historiae quadripartia Monas, sive Harmonia quatuor Evangelistarum, in qua singuli integri, inconfusi, impermixti et soli legi possunt, et rursum ex omnibus una universalis et continua Historia ex tempore formari. Duisburg [1592].

Weiterführende Literatur:

  • Andrews, J. H.: Unidentified Sources for Mercator's Regional Maps of England, in: Imago Mundi 2007 59:1, S. 96—99.
  • Art. Mercator, Gerhard. In: NDB Bd. 3, S.265 u. Bd. 4, S.749 u. Bd. 17, S. 112f.
  • Averdunck, H. und Müller-Reinhard, J., Gerhard Mercator und die Geographen unter seinen Nachkommen. Gotha 1914.
  • Blotevogel, Hans H.: Gerhard Mercator und die geistigen Strömungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Bochum 1995.
  • Breusing, Art. Mercator, Gerhard. In: ADB Bd. 21. S.385f.
  • Crane, Nicholas: Der Weltbeschreiber. Gelehrter, Ketzer, Kosmograph — Wie die Karten des Gerhard Mercator die Welt veränderten. München 2005.
  • Durme, M. van (Hrsg.): Correspondance mercatorienne. Anvers 1957.
  • Gerard Mercator en de Geografie in de zuidlijke Nederlanden (16de eeuw). Katalog zur Ausstellung im Museum Plantin-Moretus en Stedelijk Prentenkabinet, Antwerpen vom 30 April bis 24. Juli 1994. Antwerpen 1994.
  • Ghim, Walter: Die Vita Mercatoris des Walter Ghim. Wiedergegeben und übersetzt von Hans-Heinrich Geske. In: Gerhard Mercator 1512—1594 zum 450. Geburtstag, hg. v. Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft (= Duisburger Forschungen, Bd. 6). Duisburg-Ruhrort 1962. S. 244—272.
  • Krämer, Karl Emerich: Mercator. Eine Biographie. Duisburg 1980.
  • Leitao, Henrique und Gaspar, Joaquim Alves: Globes, Rhumb Tables, and the Pre-History of the Mercator Projection, in: Imago Mundi 2014 66:2, S. 180—195.
  • Mosley, Adam: The Cosmographer's Role in the Sicteenth Century. A Preliminary Study, in: Archives Internationales d'Histoire des Sciences 2009 163, S. 423—439.
  • Roger, A.: Blondeau. Mercator van Rupelmond., Tielt 1993.
  • Schneider, Ute und Brakensiek, Stefan (Hgs.): Gerhard Mercator. Wissenschaft und Wissenstransfer. Darmstadt 2015.
  • Smet, Antoine de: Mercator à Louvain (1530—1552). In: Gerhard Mercator 1512—1594 zum 450. Geburtstag, hg. v. Stadtarchiv Duisburg in Verbindung mit der Mercator-Gesellschaft (= Duisburger Forschungen, Bd. 6). Duisburg-Ruhrort 1962. S. 28—90.
  • Suhl, Alfred: Zu Gehard Mercators Evangelienharmonie. In: Manfred Büttner und René Dirven (Hgg.): Mercator und die Wandlungen der Wissenschaften im 16. und 17. Jahrhundert: Referate des 1. Mercator-Symposions Duisburg, 8.—9. März 1992 (= Duisburger Mercator-Studien, 1). Bochum 1992. S. 43—61.
  • Taylor, Andrew: The World of Mercator. The Mapmaker Who Revolutionised Geography. London 2004. S. 185—186.
  • Van Der Krogt, Peter: Gerard Mercator and his Cosmography. How the Atlas Became an Atlas, in: Archives Internationales d'Histoire des Sciences 2009 163, S. 465—483.
  • Vanpaemel, Geert H. W.: Mercator and the Scientific Revolution at the University of Leuwen. In: Hans H. Blotevogel und ders. (Hrsg.): Gerhard Mercator und die geistigen Strömungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Bochum 1995. S. 33—49.
  • Vermij, Rienk (Hrsg.): Gerhard Mercator und seine Welt. Duisburg 1997.
  • Vermij, Rienk: Gerhard Mercator and the science of chronology. In: Hans H. Blotevogel und ders. (Hrsg.): Gerhard Mercator und die geistigen Strömungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Bochum 1995. S. 189—199.


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