Geschichte der Frühen Neuzeit
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Fulda, Friedrich Karl

(1724-1788)

Friedrich Karl Fulda (* 13. September 1724 in Wimpfen, † 11. Dezember 1788 in Enzingen) besuchte das Gymnasium in Stuttgart. Anschließend besuchte er das Tübinger Stift. 1748 wurde ihm die Stelle eines Feldpredigers in Holland angeboten. Nach Abdankung seines Regiments, besuchte er mehrere deutsche Provinzen. 1749 weitete er in Göttingen seine Studien aus. 1751 wurde er Garnisionsprediger auf der Württembergischen Festung Asperg, 1758 schließlich Pfarrer in Mühlhausen an der Enz von Steinischer Herrschaft. 1787 erhielt er eine Pfarre in Ensingen.

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Diese Tabellengeschichte ist fast zwei Meter breit und 1m 75 hoch, üppig mit Farben und einer unglaublichen Materialfülle ausgestattet. Zeichen kennzeichnen Schlachten, Todesfälle und Morde; die Spaltenanzahl (Fulda nennt sie Fächer) ist 104, "eine Zal", wie es in der Erläuterung heißt, "die für diese SCIAGRAPHISCHE TABELL vollständig heisen kan". Ansonsten kartenartige Struktur, wie auch in der Erläuterung deutlich wird, wo größtenteils topographische Metaphern verwendet werden, um die Ähnlichkeit der Geschichte mit der Geographie zu betonen.

Zur Zeitordnung: Der Anfang der Tabelle ist im AM 0. Hier werden in der ersten Zeile die "Geogonien" (i.e. die Lehren von der Entstehung der Erde) der verschiedenen Völker genannt: "Vergleicht man die, in dieser parallele stehenden THEO- oder GEOGONIEN mit einander, so ist das erste, was man sieht, dass die Grichen, in der hauptsache den andern nur nachgesprochen haben, und wol bilder, aber nicht mehr wahre geschichte geben. wie denn die westlichen völker vom ursprung der dinge, von den alten drei und siben und zehen geschlecht folgen durchaus keine eigene Nachricht haben, sondern alle das chaos mit der lezten grosen Flutt, den ersten menschen mit ihrem nächst erstem Stammvatter, dem vatter dieses ersten menschen mit dem Schöpfer, und die Schöpfung mit ihrem nächsten Ursprung mischen." Es werden die verschiedenen Schöpfungsmythen erzählt. Die biblische Schöpfungsgeschichte wird den übrigen einfach nur parallel, nicht groß hervorgehoben eingereiht. Zusätzlich gibt es noch Schöfungsmythen der Griechen (Hesiod: das Chaos), der Germanen, der Perser (Zoroaster), ja selbst der Chinesen ("Himmel, Erde, Wasser von Ewigkeit. Tain (der im Himmel) scheidet sie, macht Puoncu (Menschen) aus dem Chaos, dem Ei. — I. K. [Kaiser] Familie des Himmels, Tien hoang schi. II. K. Familie der Erde, Ti hoang schi. III. K. Familie der Mensche[n], Schin hoang schi. Periode[n] der 9hpter.") und des Islams. Die Zeitdifferenzierung wird in Jahrhunderte unterteilt, die mit großen römischen und arabischen Ziffern markiert werden. Zu den ganz wichtigen Wendedaten (Erbauung Roms etc.) wird auch anderen Zeitrechnungen Rücksicht gezollt. So der Olympiadenzählung, der Zählung "ab urbe condita", aber auch der "Perioda Juliana" sowei der "Aera christiana".

Zur räumlich-topischen Ordnung: Eine grobe Gliederung lässt sich folgendermaßen aus der hohen Spaltenanzahl ablesen (in eckigen Klammer die Farbe, in der die Spalten markiert werden): "Litteraria [rot-braun] | Atlantica [lila, d.i. Amerika] | Aethyopia [hellgelb] | Brittannien [braun-lila, fängt mit dem Urgott der Kelten an "Dis, Dit, Duw, Tait, Tutates"] | Scandinavien [rot, fängt mit Wotan (Odin) an] | Teutschland heißt Germanien [gelb, bemerkenswert ist, das es auch noch in anderen Spalten dann gelbe Flecken gibt, d.h. dass diese dann auch mal deutsch waren. Das sind dann England aufgrund der Übersiedelung der Angeln und Sachsen, die Schweiz, die Merowinger in Frankreich und die Vandalen in Spanien und Afrika] | Italia [braun, d.i. dann auch Rom und die späteren Stadtstaaten, das Braun geht also zur Zeit des Römischen Reichs über alle Spalten hinweg] | Frankreich / Gallier [blau] | Iberer [hellblau] | Nordafrika [weißgelb] | Griechen [grün] | Phönikien | Syrien | Palästina / Israel | Arabien | Persien | Tartaren / Mongolen | Inder | Chinesen | Naturbegebenheiten." Durch diese Ordnung werden, übrigens wie auch bei Friedrich Strass, Kontinuitäten der Völker angenommen, konstruiert und dargestellt. Die gleichfarbigen Spalten bilden "Columnen", die Unterteilungen sind dann die sogenannten "Fächer".

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Charte der Weltgeschichten unter einen großen Gesichtspunkt gebracht. Augsburg: Conrad Heinrich Stage, 1783.
  • Ueberblick || der || Weltgeschichten || zur || Erläuterung || der || Geschichtscharte, || von || dem Verfasser derselben. Augsburg: Conrad Heinrich Stage, 1783. > zur digitalisierten Vollversion

Weiterführende Literatur:

  • Hirsching, Friedrich Carl Gottlob: Historisch-literarisches Handbuch. Bd. 2. 1795.
  • Inama von Sternegg, Theodor: NDB Bd. 5, S. 726, ADB Bd. 8, S. 192—194.
  • Moser, Johann Jacob. Württembergisches Gelehrten-Lexicon. 1772.
  • Wolfes, Matthias: Fulda, Friedrich Carl. Evangelischer Theologe und Philologe, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 19. Nordhausen 2001.


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