Geschichte der Frühen Neuzeit
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Weise, Christian

(1642-1708)

Christian Weise (* 29. April 1642 in Zittau, † 21.Oktober 1708) Sohn eines Lehrers, war schon im Alter von acht Jahren Repetent in der Klasse seines Vaters. Nach seiner Vorbildung in klassischen Sprachen und in Theologie, unter der Betreuung des Rektors Reimann, besuchte Weise ab 1659 die Universität Leipzig. Des Vaters wegen studierte er Theologie, sein Interesse galt jedoch mehr der Jurisprudenz. Er gab die theologische Laufbahn schon bald auf. 1661 erhielt er den Baccalaureus, 1663 den Magister und kurz darauf wurde er als glücklicher Disputant mit der "venia legendi" ausgestattet. Er hielt darauf Vorlesungen in Rhetorik, Ethik, Geschichte, Poetik und hoffte auf eine Stelle in der Fakultät, bis ihn Graf Simon Philipp von Leiningen, Minister des Administrators von Magdeburg (Herzog August von Weißenfeld) als Sekretär nach Halle schickte. Hier erwarb er sich die Gunst des einflussreichen Präsidenten v. Kondeck und anderen gleichgesinnten Männern. Bereit dem Grafen in den Krieg zu folgen, wurde er von seinen anderen Gönnern zurückgehalten, und verweilte in Helmstedt bei Croning und Schrader. 1670 ging er als Erzieher der zwei Asseburgs, deren Vormund Graf von Schulenburg war, nach Amfurt im Magdeburgischen. Noch im selben Jahr wechselte er jedoch als Professor für Politik, Rhetorik und Poetik an das Gymnasium Augusteum in Weißenfels, eine Art Ritterakademie. 1671 heiratete er Regina Arnold, Tochter des Burgwerbener Pastors. Bei der Geburt des jüngsten Sohnes 1678 starb seine Frau jedoch. Im selben Jahr folgte er dem Ruf als Rektor der Schule seiner Heimatstadt Zittau, er hielt die Abschiedsrede seines Vaters, der gerade emeritiert wurde. Weise entwickelte hier ein ausgeprägtes pädagogisches Programm, das seine zahlreichen Lehrbücher bestätigen. Bald heiratete er seine zweite Frau, Anna Regina Resen, die aus angesehener Familie stammte. In der kommenden ruhigen Zeit begab er sich kaum auf Reisen, er besuchte seinen Korrespondenten Prof. Baldinus in Prag. 1683 reiste er nach Schlesien. Durch eine schwere Krankheit gezeichnet, trat er sein Amt an seinen Gehilfen Hofmann ab, und starb kurze Zeit später. Er hinterließ ein umfassendes lyrisches Werk, Romane, die im Dienste der Politik standen und zahlreiche Schul- und Bibeldramen.

Zum Werk

Die "Tabulae chronologicae" sind, so geht es aus der Erzählung aus dem "Klugen Hoff-Meister" hervor, an der Tabellengeschichte Christoph Schraders, Weises Helmstedter Lehrer, orientiert. Es ist ein Werk, das für den Geschichts-Unterricht an Weises Gymnasium in Zittau benutzt worden ist. In der Widmung an den Leipziger Superintendenten Thomas Ittig (1643—1710), der als Auslöser des sogenannten "Terministischen Streits" zwischen Leipziger Lutheranern und Pietisten bekannt ist, verweist er auf den Einfluss der Unterrichtsmethode des Philosophen Christian Thomasius. Die chronologische Tabelle ist für Weise in erster Linie ein Hilfsmittel für ein Verständnis der "Politica", dem Bildungsideal Weises.

Ausgewählte Veröffentlichungen:

  • Tabulae || chronolo- || gicae, || Quibus || rerumpublicarum || mutationes, || a nato Christo || ad nostrum usque tempus, || sub unum conspectum ita revocantur, || ut || politicis studiosus || memorandi, repetendi, evolvendi et inquirendi || habet subsidium. || aliqvoties promissae, nunc tandem editae, || cum Indice maximam partem || Onomastico. Dresden, Leipzig: Michael Gunther, Zittau: excud. Michael Hartmann, 1691. > zur digitalisierten Vollversion
  • Die drey ärgsten || Ertz=Narren || in der gantzen Welt, || Auß vielen Närrischen || Begebenheiten hervorge- || sucht, || und || Allen Interessenten zu besse- || rem Nachsinnen übergeben, || durch || Catherinum Civilem. Leipzig 1673. > zur digitalisierten Vollversion
  • Der kluge Hoff- || Meister/ || Das ist/ || Kurtze und eigentliche Nachricht/ || wie ein sorgfältiger Hoff-meister seine || Untergebenen in den Historien unterrichten/ || und sie noch bei junger Zeit also anführen sol, da- || mit sie hernach ohne Verhindernis die Histo- || rien selbst lesen und nützlich anwenden- || können. Vormahls unter dem Titel || Der Fundamental-Historie || zusammen getragen: || anitzo aber an unterschiedenen Orten verbes- || sert und zum andernmahle in Druck || gegeben || von || Christian Weisen. Leipzig, Frankfurt am Main: Ritzscher Buchladen, 1677. > zur digitalisierten Vollversion

Weiterführende Literatur:

  • Die große Literatur der Weise-Forschung hat Weise als Historiker noch nicht entdeckt. Hier jedoch einige einführende Darstellungen:
  • Barner, Wilfried: Barockrhetorik. Untersuchungen zu ihren geschichtlichen Grundlagen. Tübingen 1970. S. 190—220.
  • Behnke, Peter: Christian Weise. Dichter — Gelehrter — Pädagoge. Beiträge zum ersten Christian-Weise-Symposium aus Anlaß des 350. Geburtstages. Zittau 1992.
  • Hesse, Peter (Hg.): Poet und Praeceptor. Christian Weise zum 300. Todestag. 2. Internationales Christian-Weise-Symposium 21. — 24. Oktober 2008 in Zittau. Tagungsband. Dresden 2009.
  • Horn, Hans Arno: Christian Weise als Erneuerer des deutschen Gymnasiums im Zeitalter des Barock. Der "Politikus" als Bildungsideal. Weinheim 1966.
  • Kahl, Uwe: Christian Weise. Zum 290. Todestag am 21. Oktober 1998. Zittau 1998.
  • Klein, Otto: Gymnasium illustre Augusteum zu Weißenfels. Zur Geschichte einer akademischen Gelehrtenschule im Herzogtum Sachsen-Weißenfels. Weißenfels 2003. S. 144—153.
  • Rusterholz, Peter: Vom Öffnen und Schließen der Grenzen komischer Schriften. Christian Weises "Die drey ärgsten Ertznarren in der gantzen Welt", In: Eybl, Franz M. & Wirtz, Irmgard M. (Hgs.): Delectatio. Unterhaltung und Vergnügen zwischen Grimmelshausen und Schnabel. Bern 2009. S. 169—184.
  • Schmidt, Erich: Art. Weise, Christian. In: ADB Bd. 41. S. 523f.
    Sommer, Benedikt: Christian Weise. 1642—1708. Gedenken anläßlich seines 350. Geburtstages. Zittau 1993.
  • Zeller, Konradin: Pädagogik und Drama. Untersuchungen zur Schulcomödie Christian Weises. Tübingen 1980.


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